Das Milliarden-Franken-Missgeschick: Die verzweifelte Schweizer Bemühung, den Patriot-Deal zu retten

Bern fleht Berlin und Washington an, einen Flugabwehrvertrag zu retten, verängstigt vor finanziellem Ruin und amerikanischen Handelsvergeltungsmaßnahmen.

The Billion-Franc Blunder: Switzerland's Desperate Bid to Save the Patriot Deal

Die Schweizer Regierung besitzt ein einzigartiges Talent, die militärische Beschaffung in eine teure geopolitische Tragikomödie zu verwandeln. Verteidigungsminister Martin Pfister demonstriert dies mit dem Patriot-Luftverteidigungssystem. Anstatt eine Niederlage angesichts massiver Verzögerungen und explodierender Kosten einzugestehen, hält das Eidgenössische Departement für Verteidigung am amerikanischen Raketenvertrag fest. Die Alternative wäre laut einem internen Entwurf ein vollständiger Rückzug, der zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Schweizer Franken vernichten würde. Doch die finanzielle Strafe ist nur die Hälfte des Albtraums. Der wahre Schrecken ist diplomatisch. Die Aufgabe des Kaufs würde die US-Exportstatistik in die Schweiz genau dann schmälern, wenn heikle Zollverhandlungen im Gange sind.

Washington bot Bern eine modifizierte Patriot-Version oder ein Upgrade auf eine neuere Generation an. Das Schweizer Verteidigungsdepartement lehnte beide Optionen kategorisch ab. Interne Einschätzungen stuften sie als finanziell und strategisch unhaltbar ein, da sie den ursprünglichen Preis von zwei Milliarden Franken auf 3,7 bis 6,3 Milliarden Franken erhöhen würden. Für ein Land, das sich auf bescheidene Korruption und eine gesunde Wirtschaft rühmt, ist die Verdreifachung des Budgets für ein Luftverteidigungssystem politisch toxisch. Folglich nahm der Bundesrat die zuvor ausgesetzten Zahlungen an die USA stillschweigend wieder auf, in der Hoffnung, Washington zu besänftigen, während er nach einer Hintertürlösung suchte.

Diese verzweifelte Suche hat Bern an die Tür Berlins klopfen lassen. Im vergangenen Sommer leitete die US-Regierung zwei ursprünglich für das Schweizer Militär vorgesehene Patriot-Systeme nach Deutschland um, um deutsche Einheiten zu ersetzen, die an die Ukraine geliefert wurden. Nun hat die Schweizer Beschaffungsagentur Armasuisse formell beantragt, dass Washington und Berlin die Rückführung dieser Einheiten in die Schweiz gestatten. Aus Berns naiver Sicht ist dies eine logische Anfrage. Die Systeme sind spezifisch auf Schweizer Anforderungen konfiguriert, was sie für die deutschen Streitkräfte von Natur aus weniger nützlich macht.

Pfister rechnet damit, dass diese Dreiecksdiplomatie den finanziellen Schaden auf lediglich eine Milliarde Franken an zusätzlichen Kosten begrenzen und den Trainingsbeginn bis 2027 ermöglichen wird. Sein Versuch, diese zusätzliche Milliarde durch das Schweizer Parlament zu bringen, ist jedoch bereits gescheitert. Derweil bleibt das deutsche Verteidigungsministerium erwartungsgemäß unverbindlich. Ein Sprecher erklärte, dass der schnelle Ersatz der übergebenen Patriot-Feuereinheiten für uns von großem Interesse bleibt, und fügte hinzu, dass Deutschland eng mit seinen Partnern koordiniert.

Bern erwartet nach der Sommerpause Klarheit, doch die strategische Ecke, in die es sich manövriert hat, ist bemerkenswert eng. Sollten Berlin und Washington den vorgeschlagenen Tausch ablehnen, bleiben der Schweiz schreckliche Wahlmöglichkeiten. Sie kann den Vertrag annullieren, einen Milliarden-Franken-Verlust hinnehmen und die Amerikaner während der Handelsgespräche verärgern. Alternativ kann sie die überzogenen US-Bedingungen schlucken und bis zum Dreifachen des ursprünglichen Preises zahlen. Für eine reiche Nation, die bequem davon profitiert hat, außerhalb der Europäischen Union zu sitzen, während sie ihre eigene Neutralität kompromittierte, ist die Patriot-Saga ein harter Realitätscheck.

Geschrieben von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com