Raketen, Drähte und anfällige Stromnetze

Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen gegen einen Radikalen, der die Schwachstellen des deutschen Energienetzes mit provisorischen Waffen offengelegt hat.

Rockets, Wire, and Fragile Power Grids

Es braucht erstaunlich wenig, um die zentrale Energieinfrastruktur eines großen Industriestaates in die Knie zu zwingen. In Deutschland gelang es einem 48-Jährigen, bewaffnet mit selbstgebauten Startvorrichtungen und einer schriftlichen Zielliste, wiederholt Hochspannungsleitungen in der Nähe aktiver Kohlekraftwerke kurzzuschließen, was die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe zum Eingreifen zwang. Der Fall wird nicht länger als eine Reihe regionaler Eigentumsdelikte behandelt; er ist offiziell in den Bereich des verfassungswidrigen Sabotageakts und der Staatssicherheit eingetreten.

Der Verdächtige wurde in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen aufgespürt und festgenommen, nachdem die Verkehrspolizei plattgedrücktes Gras bemerkt hatte, das zu einem getarnten Zelt führte. Ermittler, die seinen Wohnwagen in der Nähe des Hambacher Forsts durchsuchten, entdeckten ein Notizbuch, das über 160 frühere und beabsichtigte Sabotageziele im ganzen Land detailliert beschrieb. Die Behörden haben seitdem bundesweit über 150 einfache Startvorrichtungen sowie explosive Komponenten, die in seiner Wohnung in Gevelsberg gelagert waren, beschlagnahmt.

Die Methodik beruhte auf einfacher Mechanik: Startmechanismen schossen Metalldrähte über Hochspannungsleitungen, wodurch Kurzschlüsse ausgelöst wurden, die einzelne Blöcke in nahegelegenen Stromerzeugungsanlagen erfolgreich außer Betrieb setzten. Authentische Geständnisbriefe an Nachrichtenagenturen nannten ideologische Opposition gegen fossile Energien und bezeichneten die Angriffe als direkte Kampagne gegen traditionelle Stromerzeugung. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Aktionen als wahrscheinlichen Klimaterrorismus eines Einzeltäters, der darauf abzielte, den Netzbetrieb zu destabilisieren, um Stromausfälle zu erzwingen.

Ein massiver Polizeieinsatz mit mehr als 1.700 Beamten war erforderlich, um die Kampagne zu stoppen. Während der Verdächtige mit formellen Haftbefehlen, der Überstellung nach Cottbus und einem Auftritt vor dem Bundesgerichtshof konfrontiert ist, sehen sich politische Führer gezwungen, sich mit der Leichtigkeit auseinanderzusetzen, mit der kritische Versorgungsleitungen durchbrochen wurden. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul räumte die eklatante Sicherheitslücke ein und erklärte, dass ein Zaun aus den Neunzigern keine Netze des einundzwanzigsten Jahrhunderts schützt, während er eine beschleunigte Sicherheitsgesetzgebung forderte.

Die Ermittler prüfen weiterhin, ob der Verdächtige völlig allein agierte oder innerhalb eines breiteren Unterstützungsnetzwerks operierte. Die Episode lässt eine beunruhigende Frage offen, wie eine fortschrittliche Wirtschaft es zuließ, dass ihr grundlegendes elektrisches Gerüst für Low-Tech-Angriffe von Hand in einem so systematischen Ausmaß anfällig blieb.

Verfasst von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com