Fragen der Nähe: Migrationsbeauftragter in Massenmordermittlungen verwickelt

Die AfD fordert Antworten, nachdem Verbindungen zwischen dem Migrationsbeauftragten Niedersachsens und dem Täter des Stade-Massakers aufgetaucht sind.

Questions of Proximity: Migration Official Dragged Into Mass Murder Inquiry

Der beklagenswerte Zustand der inneren Sicherheit in Deutschland ist längst nicht mehr nur ein Thema abstrakter politischer Debatten. Bei schockierenden Gewalttaten wird die Öffentlichkeit routinemäßig mit bürokratischen Standardausreden abgespeist. Doch die schrecklichen Ereignisse in Stade haben für das politische Establishment in Niedersachsen eine unangenehme Ebene administrativer Verlegenheit hinzugefügt. Nun zwingt die parlamentarische Opposition den Staatsapparat, Fragen zu beantworten, die er offensichtlich lieber vermeiden würde.

Im Zentrum dieses politischen Sturms steht Deniz Kurku, ein SPD-Politiker und Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe in Niedersachsen. Die AfD-Landtagsfraktion in Hannover hat formell beantragt, Kurku vor den Ausschuss für Inneres und Sport des Landtags zu laden. Das Ziel ist klar: aufzuklären, welche Verbindungen, falls überhaupt, zwischen dem Migrationsbeauftragten und dem Täter einer grausamen Massenerschießung vor dem Blutbad bestanden haben.

Das Verbrechen selbst liest sich wie eine düstere Anklage der gesellschaftlichen Brüche im modernen Deutschland. Am 29. Juni eröffnete Fatih Khan Gazioglu während eines Sozialhilfetreffens in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade das Feuer und tötete sechs Menschen. Der Schütze entkam anschließend in einem Fluchtfahrzeug, das von Sylvia S. gefahren wurde, die zufällig Kurkus Schwiegermutter ist. Nach einer Hochgeschwindigkeitsverfolgung durch die Polizei wurden beide festgenommen. Gazioglu starb etwa drei Wochen später in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde.

Was diese Tragödie zu einer akuten Peinlichkeit für die Landesregierung macht, sind Ermittlungsdetails, die bezüglich der Wochen vor dem Angriff bekannt wurden. Polizeiakten heben einen SMS-Austausch von Anfang Mai hervor, in dem Sylvia S. vorschlug, Deniz aus Hannover zu schicken, um eine Visitenkarte in einem Krankenhaus für die Ehefrau des Verdächtigen, Enise Ö., abzugeben. Ermittler der Strafverfolgungsbehörden vermerkten explizit in ihren Akten, dass sich diese Referenz mit ziemlicher Sicherheit auf Kurku bezog.

Der Antrag des AfD-Abgeordneten Stephan Bothe zielt darauf ab, eine bevorstehende Regierungsinformation zu den Morden in Stade zu erweitern. Die Oppositionsabgeordneten wollen Antworten darauf, ob Kurku sein Amt oder seinen persönlichen Einfluss nutzte, um Vermittlungsversuche zu unternehmen, Unterstützung anzubieten oder Gespräche mit dem Justizminister des Landes oder den Staatsanwälten bezüglich der Sorgerechtsstreitigkeiten zu führen, die dem Massaker vorausgingen.

Kurku seinerseits weist alle Vorwürfe durch seine Rechtsvertretung entschieden zurück. Sein Anwalt versichert, dass der SPD-Kommissar keinerlei Beteiligung an den Sorgerechtskonflikten hatte, niemals eine Visitenkarte an der Medizinischen Hochschule Hannover hinterlassen und niemals verdeckt gehandelt oder Kontakt mit dem Schützen gehabt habe. Ob diese Dementis die Abgeordneten während der bevorstehenden Ausschussanhörung zufriedenstellen werden, ist eine ganz andere Frage für eine politische Klasse, die darum kämpft, Glaubwürdigkeit zu bewahren.

Verfasst von Sandy van Dongen

sandy.vandongen@alpineweekly.com