Pragmatismus statt Populismus: Grünliberale lehnen doppelte Schweizer Illusionen ab

Die Partei lehnt sowohl die isolationistische Neutralitätsinitiative als auch die staatlich geplante Initiative für Ernährungssicherheit vor der September-Abstimmung ab.

Pragmatism Over Populism: Green Liberals Reject Dual Swiss Illusions

Die Schweizer Politik bringt gelegentlich Initiativen hervor, die lediglich dazu dienen, den Appetit der Wählerschaft auf Selbstsabotage zu testen. Die bevorstehende Abstimmung vom 27. September bietet zwei solcher Vorschläge. Einer verspricht eine Rückkehr zu einer idealisierten, hermetischen Vergangenheit; der andere stellt sich eine staatlich verordnete Agrarutopie vor. In Nottwil versammelt zu ihrer 69. ordentlichen Versammlung, beschloss die Grünliberale Partei, beide abzulehnen. Die Delegierten entschieden sich für wirtschaftlichen und geopolitischen Realismus statt populistischer Tagträume.

Die Neutralitätsinitiative, die von Pro Schweiz und Persönlichkeiten der Schweizerischen Volkspartei (SVP) vorangetrieben wird, strebt an, eine starre, bewaffnete Neutralität in der Bundesverfassung zu verankern. Sie schlägt ein umfassendes Verbot internationaler Sanktionen vor, mit Ausnahme derjenigen, die explizit vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angeordnet werden. Eine Zusammenarbeit mit Militärbündnissen wäre untersagt, es sei denn, das Land wird direkt angegriffen. Dies setzt voraus, dass eine wohlhabende Nation einfach die Zugbrücke hochziehen, von ihren Nachbarn profitieren und globale Konflikte ignorieren kann.

Die Grünliberalen wiesen diese isolationistische Fantasie unter einstimmigem Applaus zurück, ein Detail, das die Zürcher Nationalrätin Barbara Schaffner teilte. Die Partei erkennt an, dass das alte Konzept der Schweizer Neutralität weitgehend ein Relikt ist. Es als heiliges Dogma statt als flexibles Instrument zu behandeln, ist ein Luxus, den sich das Land nicht leisten kann.

Sich vor globalen Realitäten zu verstecken, ist ein Akt der Feigheit, getarnt als Staatskunst. Parteipräsident Jürg Grossen gab dazu eine offizielle Stellungnahme ab. Neutralität darf nicht zur Isolation werden. Er argumentierte, dass der Erhalt des Erfolgs ein Gleichgewicht zwischen Unabhängigkeit und internationaler Verantwortung erfordert.

Unterdessen versucht die Initiative für Ernährungssicherheit, die Teller mikrozusteuern. Unter der Federführung von Franziska Herren fordert der Vorschlag eine drastische Umgestaltung der heimischen Landwirtschaft. Er verlangt eine Erhöhung der pflanzlichen Lebensmittelproduktion und schreibt vor, dass die nationale Netto-Selbstversorgungsquote innerhalb eines Jahrzehnts 70 Prozent erreichen muss. Dies ist eine aussergewöhnliche Forderung für ein Land mit begrenztem Ackerland und einer stark integrierten Wirtschaft.

Obwohl die Grünliberalen Sympathien für die ökologischen Ziele hegen, lehnten die Delegierten den Vorschlag mehrheitlich ab. Knackpunkt ist das schiere Ausmass staatlicher Intervention, das zur Erreichung einer solchen Autarkie erforderlich wäre. Landwirtschaftliche Quoten durch staatliche Vorgaben zu diktieren, widerspricht völlig den liberalen Wirtschaftsprinzipien.

Die Partei stellte fest, dass umfassende Regulierungen die Wahlmöglichkeiten der Konsumenten stark einschränken würden. Die Berner Nationalrätin Kathrin Bertschy gab eine offizielle Stellungnahme ab. Nachhaltigkeit wird nicht durch Paternalismus erreicht.

Durch die Empfehlung einer doppelten Ablehnung verteidigen die Grünliberalen den Pragmatismus, der das Schweizer Staatssystem tatsächlich funktionsfähig macht. Das Land gedeiht dank seiner robusten Wirtschaft und exzellenten Bildung, nicht dank verfassungsmässiger Zwangsjacken oder staatlich geplanter Landwirtschaft. Die September-Abstimmung wird zeigen, ob die Wählerschaft diese Abneigung gegen geopolitische Isolation und kulinarische Bürokratie teilt.

Verfasst von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com