
Kristersson sondiert konservative Regierung in Schweden nach Scheitern der Oppositionsgespräche
Schwedendemokraten bieten an, eine Minderheitsregierung zu unterstützen, nachdem zwei Wahlgänge für den Premierminister im Reichstag gescheitert sind.
Von Thorben Thiede

Der amtierende schwedische Premierminister Ulf Kristersson hat eine neue Möglichkeit erhalten, an der Macht zu bleiben, nachdem der Vorsitzende der Schwedendemokraten, Jimmie Åkesson, angeboten hat, eine konservative Minderheitsregierung zu unterstützen, ohne Kabinettsposten zu beanspruchen. Diese Entwicklung folgt auf zwei gescheiterte Parlamentsabstimmungen zur Wahl eines Regierungschefs, wodurch das Land unter Druck gerät, eine Regierung zu bilden, bevor die Schwelle für obligatorische Neuwahlen erreicht wird.
Der politische Wandel vollzog sich, nachdem die Versuche des linksgerichteten Blocks, eine Regierung zu bilden, nach den Parlamentswahlen im September gescheitert waren. Die sozialdemokratische Vorsitzende Magdalena Andersson verlor am 15. Oktober eine Abstimmung über das Amt des Premierministers mit 248 zu 99 Stimmen, nachdem sie die Unterstützung ihrer verbündeten Parteien nicht sichern konnte. Eine spätere Abstimmung am 3. November über die Vorsitzende der Zentrumspartei, Elisabeth Thand Ringqvist, endete mit einer Ablehnung von 324 zu 25 Stimmen.
Verhandlungen innerhalb des linksgerichteten Blocks stießen auf Schwierigkeiten bezüglich der Kabinettsrepräsentation und interner Kontroversen. Die Zentrumspartei lehnte Ministerposten für die Linkspartei konsequent ab, welche wiederum die Unterstützung einer Regierung ohne Ministerressorts verweigerte. Die Linkspartei sah sich zudem mit Vorwürfen des Wählerbetrugs eines Parlamentskandidaten und Kontroversen über antisemitische Äußerungen mehrerer Kandidaten konfrontiert.
Gemäß den schwedischen Verfassungsregeln verlängerte der Reichstagspräsident Andreas Norlén Kristerssons Sondierungsmandat am 6. November. Lehnt das Parlament vier aufeinanderfolgende Premierminister-Kandidaten ab, müssen innerhalb von drei Monaten Neuwahlen stattfinden. Jüngste Umfragen von Novus für TV4 und Göteborgs-Posten zeigten eine Unterstützung von 52,2 Prozent für die vier Parteien des konservativen Tidö-Blocks, verglichen mit 46,3 Prozent für die linksgerichteten Parteien. Eine separate Umfrage von Indikator Opinion zeigte die Tidö-Parteien mit 51,2 Prozent gegenüber 47,7 Prozent in Führung.
Åkesson erklärte, seine Partei sei bereit, eine konservative Vier-Parteien-Regierung unter Kristersson zu tolerieren und anschließend in die vollständige Opposition zu gehen, um eine politische Blockade zu vermeiden. Kristersson begrüßte die Ankündigung und bezeichnete sie als ein verantwortungsvolles Signal. Reichstagspräsident Norlén wird voraussichtlich nach Abschluss von Kristerssons Gesprächen über den nächsten Kandidaten entscheiden und eine parlamentarische Abstimmung ansetzen.
Geschrieben von Thorben Thiede




