Hoher Preis, geringe Wirkung: Berlins diplomatische Niederlage bei den Vereinten Nationen

Ein sechsstelliger PR-Vertrag und jahrelanges Lobbying konnten Deutschland keinen Sitz im UN-Sicherheitsrat sichern, was die Steuerzahler mit der Rechnung und ohne Rechenschaftspflicht zurückließ.

High Price, Low Impact: Berlin's Diplomatic Defeat at the United Nations

Wenn hochfliegende diplomatische Ambitionen mit der politischen Realität kollidieren, zahlen die Steuerzahler in der Regel die Zeche. Berlins langjährige Kampagne um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen endete am 3. Juni mit einer deutlichen Ablehnung bereits im ersten Wahlgang. Deutschland sammelte lediglich 104 Stimmen und verfehlte damit die erforderlichen 127 deutlich. Portugal überwand die Hürde derweil bequem mit 134 Stimmen und Österreich sicherte sich 131, was zeigt, dass praktische Positionierung bürokratischer Selbstüberschätzung leicht überlegen ist.

Der wahre Preis dieses diplomatischen Missgeschicks bleibt bequemerweise verborgen. Als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion enthüllte die Bundesregierung, dass sie der externen Agentur Ahoy einen Auftrag im Wert von 223.813,43 Euro für Dienstleistungen zwischen 2023 und 2026 erteilt hatte. Welche konkreten Dienstleistungen für fast eine Viertelmillion Euro erbracht wurden, blieb unerwähnt. Noch aufschlussreicher war die Einräumung, dass die Berechnung der gesamten finanziellen Kosten der Kampagne – die seit 2019 über mehrere Verwaltungen hinweg verfolgt wurde – schlichtweg unmöglich ist. Lobbying-Bemühungen wurden in Standard-Auslandsreisen und routinemäßige Ministertätigkeiten verpackt, sodass keine eindeutigen Spuren hinterlassen wurden.

Jahrzehnte substanzieller Pflichtbeiträge, freiwilliger Zahlungen und umfassender Entwicklungshilfe scheinen bemerkenswert wenig internationale Einflussmöglichkeiten hervorgebracht zu haben. Auf die Frage, warum großzügige Hilfszuweisungen an Schwellenländer nicht in Abstimmungsunterstützung mündeten, bot die Regierung eine charakteristisch distanzierte Erklärung an, wonach Staaten ihre Stimmen auf der Grundlage einer Vielzahl von Motiven entscheiden. Jeder Vorschlag zur Neubewertung der Zahlungen an die Weltorganisation wurde umgehend zurückgewiesen, wobei Beamte darauf bestanden, dass obligatorische Beiträge nach internationalem Recht bindend bleiben.

Ebenso wortkarg war die Antwort bezüglich informeller Zugeständnisse. Die Regierung weigerte sich, anzugeben, ob finanzielle oder projektbezogene Versprechen gemacht wurden, um bestimmte Stimmen zu sichern, und versteckte sich hinter der Standardpolitik, die Integrität von Wahlen und das Wahlgeheimnis in internationalen Gremien zu wahren.

Obwohl es Berlin nicht gelang, eine siebte Amtszeit im Sicherheitsrat zu seinem Erfolg zu zählen, sieht es keinen Anlass zur institutionellen Selbstreflexion. Der außenpolitische Apparat beabsichtigt, zukünftige Kandidaturen in internationalen Organisationen zu verfolgen und jede Gelegenheit individuell zu bewerten. In einer Welt unkontrollierter Verwaltungsausgaben ist Scheitern lediglich eine vorläufige Ausgabe.

Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com