Pilger versammeln sich in Assisi, um Reliquien des Heiligen Franziskus zu verehren
Historische Ausstellung der sterblichen Überreste des Heiligen markiert 800 Jahre seit seinem Tod und zieht Hunderttausende an

Hunderttausende Pilger werden in den kommenden Wochen nach Assisi reisen, um den 800. Todestag des heiligen Franziskus von Assisi, eines der meistverehrten Heiligen des Christentums, zu begehen.
Zum ersten Mal dürfen gläubige Besucher vor Fragmenten der Überreste des Heiligen beten, die in einer schlanken, kugelsicheren Plexiglasvitrine in der Unterkirche der Basilika des Heiligen Franziskus von Assisi ausgestellt sind. Fast 400.000 Menschen haben sich bereits angemeldet, um die Reliquien während des besonderen Ausstellungszeitraums zu sehen.
Kirchenvertreter sagen, die Ausstellung sei nicht nur eine geschichtliche Gedenkfeier, sondern auch ein Aufruf, Franziskus' bleibende Botschaft von Frieden, Brüderlichkeit und Einfachheit wiederzuentdecken. Pater Giulio Cesareo, Kommunikationsdirektor des Sacro Convento, beschrieb die Ausstellung als eine Möglichkeit, das Beispiel des Heiligen in Bezug auf Nächstenliebe und Demut wiederzubeleben – Werte, die über religiöse Gemeinschaften hinaus weiterhin Resonanz finden.
Geboren 1182 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, verzichtete Franziskus bekanntermaßen auf seinen Reichtum, um ein Leben in Armut und Hingabe zu führen. Gegen Ende seines Lebens soll er die Stigmata – die Wunden Christi – empfangen haben, was ihn zum ersten dokumentierten Heiligen machte, der mit diesem Phänomen in Verbindung gebracht wird.
Nach seinem Tod jedoch wurden seine sterblichen Überreste Gegenstand von Geheimhaltung und Legende. Aus Angst vor Diebstahl während mittelalterlicher Auseinandersetzungen um Reliquien soll einer seiner Anhänger seine Überreste verborgen haben. Sie galten Jahrhunderte lang als verloren, bevor sie schließlich wiederentdeckt wurden. Diese turbulente Geschichte wird in einer Parallelausstellung im Franziskanerkloster neben der Basilika detailliert beschrieben.
Kirchenführer sagen, dass das Jubiläum in einer Zeit tiefgreifender globaler Herausforderungen stattfindet, was das Leben des Franziskus zu einem starken Symbol der Hoffnung macht. Sein Beispiel, so argumentieren sie, zeigt, wie individuelle Akte der Demut und des Mitgefühls eine dauerhafte Wirkung erzeugen können.
Die Feierlichkeiten werden über die aktuelle Ausstellung hinausgehen. Zu den am meisten erwarteten Ereignissen gehört der Besuch von Papst Leo XIV. in Assisi am 6. August zum internationalen „GO! Franziskanisches Jugendtreffen“, ein Treffen, das junge Katholiken aus aller Welt anziehen soll.
Für viele Pilger ist die Gelegenheit, vor den physischen Überresten des „armen Mannes von Assisi“ zu stehen, ein zutiefst persönlicher Moment – eine Verbindung über acht Jahrhunderte hinweg zu einem Leben, das die christliche Spiritualität neu geformt hat und weiterhin Millionen inspiriert.