Warum kämpfen Europas junge Erwachsene stärker mit ihrer psychischen Gesundheit als ältere Generationen?
Neue globale Daten deuten darauf hin, dass schwache Familienbande, frühe Smartphone-Nutzung und Lebensstiländerungen einen generationenübergreifenden Rückgang vorantreiben

Junge Erwachsene berichten laut einer neuen internationalen Studie von deutlich schlechteren psychischen Gesundheitsergebnissen als ältere Generationen, wobei die Lücke in mehreren europäischen Ländern besonders ausgeprägt ist.
Die Ergebnisse stammen aus einer von Sapien Labs durchgeführten Studie, die das psychologische und kognitive Wohlbefinden mithilfe des sogenannten Mind Health Quotient (MHQ) misst. Dieser Index bewertet die emotionale Regulation, soziale Funktionsfähigkeit, kognitive Kapazität und die Fähigkeit, tägliche Herausforderungen zu bewältigen. Die Forscher sagen, die Daten deuteten auf einen generationenübergreifenden Rückgang hin, der der COVID-19-Pandemie vorausging, sich aber während dieser verschlimmerte.
Erwachsene ab 55 Jahren erzielten seit 2019 durchweg Werte nahe 100 auf der MHQ-Skala, ein Niveau, das Forscher als typisch für eine funktionierende Bevölkerung beschreiben. Im Gegensatz dazu erreichten die 18- bis 34-Jährigen einen Durchschnittswert von 36. Laut den Umfrageergebnissen gaben 41 % der Befragten in dieser jüngeren Altersgruppe an, erhebliche psychische Gesundheitsprobleme zu erleben.
Die Studie stützt sich auf Online-Umfrageantworten, die in 84 Ländern in Asien, Afrika, Europa und Amerika gesammelt wurden. Während die Forschung keine medizinischen Diagnosen stellt, bewertet sie, wie Individuen ihre emotionale Stabilität, Konzentration, Beziehungen und Resilienz im Alltag wahrnehmen.
Europäische Länder zeigten gemischte Ergebnisse. Italien rangierte unter den europäischen Nationen am höchsten und belegte den 20. Platz insgesamt. Finnland lag auf Platz 40, Portugal und Spanien auf Platz 46, Belgien auf Platz 52 und Frankreich auf Platz 58. Irland, Deutschland und das Vereinigte Königreich gehörten zu den schlechter abschneidenden europäischen Ländern und belegten die Plätze 70, 71 bzw. 81.
Eines der überraschenderen Ergebnisse war, dass junge Erwachsene in Subsahara-Afrika im Durchschnitt höhere Werte erzielten als ihre Altersgenossen in wohlhabenderen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Japan und weiten Teilen Westeuropas. Der Bericht führt diesen Unterschied nicht auf eine einzelne Ursache zurück, stellt aber fest, dass die wirtschaftliche Entwicklung allein offenbar nicht direkt mit besseren psychischen Gesundheitsergebnissen bei jüngeren Generationen korreliert.
Die Forscher identifizierten vier Hauptfaktoren, die statistisch mit schlechteren Werten bei jungen Erwachsenen in Verbindung gebracht werden: schwächere Familienbande, geringere selbstberichtete Spiritualität, früherer Zugang zu Smartphones und höherer Konsum von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln.
Teilnehmer, die entfernte oder angespannte Familienbeziehungen beschrieben, waren fast viermal häufiger in die Kategorien „belastet“ oder „kämpfend“ einzustufen als diejenigen, die enge Familienbande angaben. Der Bericht stellt dies als Korrelation dar und beansprucht keine direkte kausale Beziehung.
Spiritualität wurde auch mit höheren MHQ-Werten in Verbindung gebracht. Befragte, die ein starkes Gefühl der Verbundenheit mit einem höheren Zweck oder einem spirituellen Glaubenssystem berichteten, schnitten im Durchschnitt besser ab als diejenigen, die sich als nicht spirituell bezeichneten. Deutschland, das Vereinigte Königreich und Spanien gehörten zu den Ländern, in denen junge Erwachsene geringere Spiritualitätswerte berichteten.
Die Studie stellte ferner fest, dass eine frühere Smartphone-Nutzung mit niedrigeren psychischen Gesundheitswerten im späteren Leben korrelierte. Global gaben Mitglieder der Generation Z an, ihr erstes Smartphone im Durchschnitt mit 14 Jahren erhalten zu haben, während in Europa der Durchschnitt zwischen 12 und 13 Jahren lag. Forscher beschreiben dies als eine Assoziation und kommen nicht zu dem Schluss, dass die frühe Smartphone-Exposition allein zu schlechteren Ergebnissen führt.
Der Konsum von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln wurde ebenfalls als beitragender Faktor identifiziert. Der Bericht schätzt, dass solche Ernährungsgewohnheiten zwischen 15 % und 30 % der gesamten psychischen Belastung in jungen Populationen ausmachen können, obwohl er anerkennt, dass wahrscheinlich mehrere Variablen interagieren.
Trotz erhöhter öffentlicher Ausgaben für psychiatrische Dienste und erweiterter Aufklärungskampagnen in vielen entwickelten Ländern kommt die Studie zu dem Schluss, dass messbare Verbesserungen bei jungen Erwachsenen nicht eingetreten sind. Die Autoren argumentieren, dass eine primäre Fokussierung auf die Behandlung unzureichend sein könnte, ohne breitere soziale und ökologische Einflüsse zu berücksichtigen.
Die Ergebnisse dürften die Debatte in ganz Europa über die langfristigen Auswirkungen digitaler Technologien, sich ändernder Familienstrukturen und Lebensstilverschiebungen auf jüngere Generationen intensivieren. Die Forscher sagen, weitere Untersuchungen seien erforderlich, um die Kausalität zu klären, aber das generationsspezifische Muster sei über mehrere Jahre der Datenerhebung hinweg konsistent geblieben.
Für politische Entscheidungsträger stellt die Datenlage eine Herausforderung dar: Während ältere Bevölkerungsgruppen relativ stabil erscheinen, berichten jüngere Erwachsene von wachsenden Schwierigkeiten bei der Bewältigung alltäglicher Anforderungen – ein Trend, der, wenn er anhält, in den kommenden Jahrzehnten weitreichende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte.
Geschrieben von Sandy van Dongen