Wenn Hitze auf dünne Margen trifft: Fenacos Warnung an die Schweizer Landwirtschaft

Die Genossenschaft sagt, Wetterextreme und geopolitische Turbulenzen untergraben die Ernährungssicherheit, während die eigene Expansion Widerstandsfähigkeit schaffen soll.

When Heat Meets Thin Margins: Fenaco’s Warning to Swiss Agriculture

Die Schweizer Landwirtschaft präsentiert sich gerne als robust, lokal und beruhigend gut organisiert. Dann kommt eine Hitzewelle, die Lieferketten geraten ins Wanken und das Bild gleicht weniger Stabilität als vielmehr einer Gewohnheit, die als Strategie verkleidet ist. Fenaco-Chef Michael Feitknecht sagt, der Sektor spüre die Belastung nun in vollem Umfang: Extreme Hitze beeinträchtigt die Ernten, und die Lebensmittel-Selbstversorgungsrate des Landes ist auf rund 42 Prozent gesunken, nachdem sie in den letzten Jahren über 50 Prozent lag.

Das ist keine kleine Korrektur. Feitknecht sagt, die Ertragssicherheit in der Schweiz nehme rapide ab, wobei Kartoffeln ein vielsagendes Beispiel seien: Die Anbaufläche ist stabil, aber die Ernteschwankungen werden weitaus heftiger. Für Verarbeiter bedeutet das Unsicherheit statt Planung, was eine schlechte Grundlage für eine Branche ist, die sich immer noch gerne als vorhersehbar betrachtet. Klimaanpassung helfe, sagt er, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Die Natur bleibt von Management-Slogans hartnäckig unbeeindruckt.

Das Wetter ist nur die halbe Geschichte. Geopolitische Krisen haben auch die Energievolatilität und die Düngerpreise in die Höhe getrieben, und Fenaco erwartet, dass dieser Druck anhalten wird. Die Antwort der Genossenschaft ist, im Laufe der Zeit weniger abhängig zu werden, indem sie in dezentrale Energieerzeugung investiert, einschliesslich Photovoltaik, Biogas und Pellets. Mit anderen Worten: Wenn die Welt darauf besteht, instabil zu sein, versuchen Sie zumindest, sich etwas Isolation zu kaufen.

Fenacos Grösse zieht Kritik auf sich, insbesondere vom ehemaligen Preisüberwacher Rudolf Strahm, der sie als Staat im Staate bezeichnet hat. Feitknecht weist das Etikett zurück und betont, dass Fenaco rund 23.000 Landwirten gehört, etwa der Hälfte der Schweizer Agrarbetriebe. Er argumentiert auch, dass die Genossenschaft aus einer Effizienzlogik heraus aufgebaut wurde, weil sie mit weitaus grösseren globalen Lieferanten und auf der anderen Seite mit mächtigen Einzelhändlern zu tun hat.

Diese Logik erstreckt sich auf das Wachstum. Fenaco sagt, dass sie ein gewisses Mass an Expansion benötigt, um weiter investieren zu können, insbesondere bei einer Marge von nur 1,5 Prozent, was bedeutet, dass 1,50 Franken von jedem 100 Franken Umsatz übrig bleiben. Die Genossenschaft hat Tierarztpraxen übernommen, um Dienstleistungen in ländlichen Gebieten zu sichern, wo Nachfolgeprobleme ein wachsendes Anliegen sind, und sie hat auch in das Telekommunikationsunternehmen Quickline investiert, um Renditen für zukünftige Investitionen zu generieren. Fenaco mag es vielleicht nicht, als Konglomerat bezeichnet zu werden, aber sie verhält sich wie eine Organisation, die weiss, dass Sparsamkeit allein keine Infrastruktur aufbaut.

Der weitere Punkt ist für die Schweiz unangenehm. Ein reiches Land mit einem guten Bildungssystem und einem funktionierenden Staat kann dennoch feststellen, dass seine Nahrungsmittelgrundlage dünner wird, wenn Wetter und Geopolitik feindselig werden. Fenacos Botschaft ist nicht romantisch, aber sie ist klar: Effizienz, Kapital und Diversifizierung sind heute genauso wichtig wie die Landwirtschaft selbst. Der Rest ist ein tröstliches Selbstbild, und das hat noch nie jemanden ernährt.

Verfasst von Christiane Hofreiter christiane.hofreiter@alpineweekly.com