Souveränität subventionieren: Europas 900-Millionen-Euro-Raketenexperiment

Die Europäische Weltraumorganisation öffnet ihre Kassen für private Start-ups, um die Abhängigkeit von ausländischen Startdiensten zu beenden.

Subsidizing Sovereignty: Europe’s 900-Million-Euro Rocket Experiment

Europas Weltraumambitionen folgen erneut dem vorhersehbaren Weg massiver staatlicher Subventionen. Im Bewusstsein, dass die Abhängigkeit von ausländischen Betreibern für Satellitenstarts den Kontinent in eine Sackgasse treibt, hat sich die Europäische Weltraumorganisation dazu entschlossen, Hunderte Millionen öffentlicher Euro an private Unternehmen zu vergegeben. Im Rahmen der 2023 ins Leben gerufenen European Launcher Challenge, die einen Nachfolger für Ariane 6 vor 2030 sichern und die Abhängigkeit von einem einzigen Betreiber beenden soll, stellt das institutionelle Europa Kapital bereit, um die verlorene Autonomie zurückzukaufen.

Die neueste Transaktion betrifft das spanische Unternehmen PLD Space, eine in Elche ansässige Firma, die 2023 eine suborbitale Testrakete, MIURA 1, geflogen hat. Im Rahmen ihres neuen 158,9 Millionen Euro schweren Vertrags, der hauptsächlich von Spanien mit deutscher Unterstützung finanziert wird, soll PLD Space die Entwicklung ihrer Orbitalrakete MIURA 5 beschleunigen, um bis 2030 eine höhere Startkadenz zu erreichen. Die Vereinbarung finanziert auch Upgrades für schwerere Nutzlasten und propulsive Landesysteme, die kritische Technologie auf einen zukünftigen Schwerlastträger namens MIURA Next übertragen sollen. Die Mittel kommen zusätzlich zu den 42 Millionen Euro, die dem Unternehmen bereits über Spaniens nationales Raumfahrt-PERTE-Programm durch CDTI zugewiesen wurden. Ezequiel Sánchez, Vorstandsvorsitzender von PLD Space, bewertete die Entscheidung mit den Worten, dass die Wahl von PLD Space durch die ESA die Reife des Fahrplans bestätigt, den wir seit Jahren aufbauen.

Doch PLD Space ist lediglich ein Zahnrad in einem zunehmend aufwändigen institutionellen Ausgabenprogramm. Nachdem im Juli 2025 fünf Finalisten aus zwölf europäischen Vorschlägen in die engere Wahl gezogen wurden – eine Gruppe, die durch MaiaSpace und Orbex komplettiert wurde –, verteilte die ESA auch fast eine halbe Milliarde Euro an deutsche Anwärter. Isar Aerospace erhielt 197,8 Millionen Euro für ihr Spectrum-Fahrzeug, während Rocket Factory Augsburg 186,9 Millionen Euro erhielt, um ihre RFA One-Rakete von SaxaVord in Schottland aus zu betreiben.

Dieser finanzielle Impuls folgt auf ein Ministertreffen im November 2025 in Bremen, bei dem die Mitgliedstaaten ihr gesamtes Finanzierungsengagement für die Challenge auf 900 Millionen Euro ausweiteten. Ob die Zuteilung von fast einer Milliarde Euro an öffentlichem Kapital für konkurrierende private Unternehmen tatsächlich Europas Raumfahrtabhängigkeit beenden – oder einfach die Entwicklungspläne von Unternehmen unter dem Deckmantel strategischer Souveränität subventionieren wird – ist eine Frage, die sich die Steuerzahler mit Blick auf 2030 durchaus stellen könnten.

Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com