Rote Zahlen trotz voller Kabinen

Steigende Treibstoffpreise ziehen TAP in die roten Zahlen, während Lissabon einen wichtigen Anteil verkaufen will.

Red Ink Above Full Cabins

Volle Flugzeuge waren im Luftfahrtgeschäft nie eine automatische Garantie für Gewinne. TAP Air Portugal demonstrierte dieses klassische Branchenparadox im ersten Halbjahr, indem sie trotz eines Rekords von 8,2 Millionen beförderten Passagieren einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro verbuchte. Ein plötzlicher Anstieg der Kerosinpreise machte die Gewinne aus einem Anstieg der Gesamtbetriebseinnahmen um 4 Prozent, die über 2 Milliarden Euro erreichten, zunichte.

Der Übeltäter ist Marktbeobachtern bekannt: globale geopolitische Turbulenzen. Als der Konflikt im Nahen Osten ausbrach, stiegen die Treibstoffkosten von TAP in diesem Sechsmonatszeitraum um 18,7 Prozent, mit einem aggressiven Anstieg von 52,3 Prozent allein im zweiten Quartal. Da Fluggesellschaften Tickets Monate vor dem Abflug verkaufen, gerieten CEO Luís Rodrigues und sein Managementteam in eine klassische Timing-Falle. Die Betriebskosten stiegen sofort, während höhere Ticketpreise nur für zukünftige Buchungen angewendet werden konnten.

Die operativen Fundamentaldaten erzählen jedoch eine wesentlich robustere Geschichte. Die Nachfrage auf strategischen Routen in Europa und Südamerika führte zu Passagierumsätzen von 1,83 Milliarden Euro, was Portugals stabile Position als wichtiges transatlantisches Drehkreuz widerspiegelt. Das wiederkehrende EBITDA erreichte gesunde 181,9 Millionen Euro, auch wenn das wiederkehrende EBIT unter hohen Abschreibungen und Treibstoffdruck auf minus 83,7 Millionen Euro sank. Entscheidend ist, dass diese Halbjahreszahlen den lukrativen Sommer-Peak ausschließen, in dem europäische Fluggesellschaften den Großteil ihrer Jahresgewinne erzielen.

Nach Abschluss des Post-Krisen-Restrukturierungsplans führt TAP eine neue strategische Roadmap bis 2035 ein. Der eigentliche Wendepunkt für die Fluggesellschaft liegt jedoch im Regierungsviertel von Lissabon. Die staatliche Holdinggesellschaft Parpública legt dem Kabinett von Premierminister Luís Montenegro ihre abschließende Bewertung verbindlicher Angebote für eine 44,9-prozentige Beteiligung an der Fluggesellschaft vor. Sowohl Lufthansa als auch Air France-KLM haben ihre Angebote unterbreitet.

Obwohl eine Ausweitung der Halbjahresverluste um 40 Prozent auf dem Bildschirm eines Schlagzeilenlesers alarmierend wirken mag, deutet das zugrunde liegende kommerzielle Interesse der größten europäischen Luftfahrtkonglomerate auf das Gegenteil hin. Marktteilnehmer erkennen an, dass geopolitische Treibstoffspitzen temporäre operative Gegenwinde sind, während geografische Vorteile und steigende transatlantische Nachfrage dauerhafte Vermögenswerte bleiben.

Verfasst von Andreas Hofer

andreas.hofer@alpineweekly.com