Hans Meyer, der SNB-Mann, der Systeme den Reden vorzog, stirbt mit 90

Im Dienst der SNB

Hans Meyer, the SNB man who preferred systems to speeches, dies at 90

Hans Meyer ist im Alter von 90 Jahren gestorben, und mit ihm geht ein Stück der altgedienten Disziplin der Schweizerischen Nationalbank verloren. Die Bank gab seinen Tod in einer im Tages-Anzeiger veröffentlichten Mitteilung bekannt und erklärte, er sei am 17. Juni verstorben. In einer Zeit, die jede institutionelle Aufgabe als öffentliche Inszenierung darstellt, liest sich Meyers Karriere eher wie ein Handbuch für stille Staatskunst: kein Drama, keine Slogans, nur langer Dienst und eine Vorliebe für funktionierende Systeme.

Meyer verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei der SNB. Er trat 1972 als Generalsekretär ein, wurde 1977 stellvertretendes Mitglied des Direktoriums und 1985 Vollmitglied. Von 1988 bis 1996 war er Vizepräsident, bevor er von 1996 bis 2000 die Präsidentschaft des Direktoriums übernahm. Das ist ein langer Aufstieg in einer Bank, die Kontinuität der Improvisation vorzieht, und in diesem Fall scheint sich die Präferenz ausgezahlt zu haben.

Laut SNB trug Meyer über rund 30 Jahre zur Gestaltung der Schweizer Geldpolitik bei. Er unterstützte die Revision der Währungsverfassung, führte das noch heute gültige geldpolitische Konzept ein und überwachte die Neuorganisation des Bargeldumlaufs. Er arbeitete auch an der Modernisierung von Zahlungssystemen und an aktuelleren Geschäftsprozessen innerhalb der Bank. Zentralbankwesen bringt selten Helden hervor, was wahrscheinlich auch gut so ist. Es belohnt jedoch Menschen, die den Unterschied zwischen Reform und Theater erkennen können.

Die SNB würdigt Meyer auch für seine massgebliche Rolle bei der Gründung des Studienzentrums Gerzensee. In ihrem Nachruf beschrieb ihn die Bank als sachlich, zuverlässig und bescheiden, mit einem ausgeprägten Sinn für praktische Lösungen. Das ist nicht die Art von Lob, die Bankettsäle füllt, aber es ist die Art, die zählt, wenn eine Institution die monetäre Stabilität wahren soll, anstatt die Öffentlichkeit zu unterhalten.

Für die Schweiz, die sich gerne als umsichtig, wohlhabend und leicht über dem kontinentalen Geschehen stehend betrachtet, gehören Figuren wie Meyer zu einer ernsteren Tradition. Sie erinnern daran, dass eine starke Wirtschaft nicht auf Erklärungen und Symbolik beruht, sondern auf Menschen, die Regeln, Prozesse und Zurückhaltung verstehen. Das Land hatte das Glück, solche Menschen zu haben. Ob es sie immer noch mit der gleichen Beständigkeit hervorbringt, ist eine ganz andere Frage.

Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com