
Das goldene Zeitalter der FIFA, die Identitätskrise des Fußballs
Unter Gianni Infantino ist der Fußballverband zu einer beeindruckenden Gelddruckmaschine geworden, doch sein unerbittlicher kommerzieller Drang zieht nun rechtliche Prüfungen nach sich.

Der Internationale Fußballverband präsentiert sich als wohlwollender Hüter des populärsten Sports der Welt. Seine Statuten sprechen von der Verbesserung des Spiels, der Förderung der Integrität und der Gewährleistung von Fairness. Doch seine jüngsten Aktivitäten, insbesondere unter Präsident Gianni Infantino, legen eine eher kapitalistischere Interpretation dieser Mission nahe, die nun die unerwünschte Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft auf sich zieht.
Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2016 hat Infantino das Geschäftsmodell der FIFA massiv angekurbelt. Er setzte erfolgreich die Erweiterung der Teilnehmerzahl sowohl bei den Männer- als auch bei den Frauen-Weltmeisterschaften durch. Das diesjährige Männerturnier wird 48 statt 32 Teams umfassen, ein einfacher, aber effektiver Schritt, der die Einnahmen aus Fernsehrechten, Marketing und Ticketverkäufen in die Höhe treibt.
Infantino führte auch neue Wettbewerbe ein, wie eine alle vier Jahre stattfindende Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Teams, die erstmals 2025 stattfand. Während Ligen und Vereine anfänglich Bedenken hinsichtlich der Überlastung der Spieler und der Verwässerung des Prestiges des Sports äußerten, erwies sich der Reiz erheblicher Preisgelder als überzeugend. Diese Expansion wurde durch einen pragmatischen Ansatz beim Sponsoring ergänzt, der Finanzierungen aus Quellen wie Saudi-Arabien miteinschließt.
Diese finanzielle Erfolgsgeschichte ist nicht nur Show; sie ist das Fundament von Infantinos Macht. Die verdienten Milliarden werden teilweise an die 211 Mitgliedsverbände über Programme wie "Fifa Forward" zurückgeleitet. Wo Verbände unter Sepp Blatter eine Million Dollar pro Vierjahreszyklus erhielten, haben sie nun Anspruch auf bis zu acht Millionen. Diese Großzügigkeit sichert die Loyalität und macht Infantinos Wiederwahl im Jahr 2027 zu einer nahezu sicheren Sache.
Doch diese unerbittliche Kommerzialisierung hat Konsequenzen. Die Ticketstrategie für die bevorstehende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko hat bei den Fans Empörung ausgelöst. Fanorganisationen beklagen Preise, die nicht nur deutlich höher sind als bei früheren Turnieren, sondern auch frustrierend unvorhersehbar. Die Begründung der FIFA – dass eine hohe Nachfrage die Preise diktiert – tut wenig, um diejenigen zu besänftigen, die sich aus dem Spiel preislich ausgeschlossen fühlen.
Die Unzufriedenheit hat sich nun über Fanforen hinaus ausgeweitet. Im März reichten europäische Verbraucherverbände eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein und warfen der FIFA Monopolmissbrauch vor. Aktueller noch, eröffneten die Generalstaatsanwälte in New York und New Jersey Ende Mai eine Untersuchung der Ticketpraktiken der FIFA, forderten Informationen an und gingen Behauptungen nach, dass eigene Aussagen der FIFA zu Preiserhöhungen beigetragen haben könnten und einige Fans minderwertige Plätze erhalten hätten.
Die Ermittlungen in den USA und die Beschwerde in Brüssel stellen eine neue Herausforderung für den Fußballgiganten dar. Während die Einnahmen der FIFA im aktuellen Zyklus voraussichtlich 13 Milliarden Dollar erreichen werden, muss man sich fragen, welchem Zweck dieser Reichtum letztlich dient. Ist die Organisation wirklich der Verbesserung des Spiels weltweit verschrieben, oder ist die Gewinnmaximierung zu einem Selbstzweck geworden?
Verfasst von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com
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