
Basels Wälder vor einer trockenen Abrechnung
Der Klimawandel lichtet die Wälder im Nordwesten des Landes sichtlich aus und erzwingt ein pragmatisches, wenn auch überfälliges, Umdenken in der Forstwirtschaft.

Es hat eine gewisse Nüchternheit, den Rückgang eines Waldes zu messen. In den Wäldern oberhalb von Muttenz, bei Basel, sind Forstingenieure damit beschäftigt, wie sie es nennen, „die Temperatur“ der Bäume zu messen. Die Diagnose ist nicht ermutigend. Während der Rest des Landes vielleicht noch an idyllischen Bildern seiner Naturlandschaften festhält, deuten hier die Beweise auf ein System unter starkem Stress hin.
Die Arbeit selbst ist eine kuriose Mischung aus moderner Wissenschaft und altmodischer Detektivarbeit. Die Ingenieure Maria Oesch und Raphael Hähner navigieren durch das Unterholz und suchen nach Bäumen, die vor Jahrzehnten zur Beobachtung markiert wurden. Ein Metalldetektor, ein ungewöhnliches Werkzeug in der Forstwirtschaft, hilft, die 1990 in den Boden getriebenen Metallrohre zu lokalisieren, um die Probanden dieser Langzeitstudie zu kennzeichnen. Es ist eine akribische, typisch schweizerische Herangehensweise an die Katalogisierung einer Krise.
Gelegentlich gibt es gute Nachrichten. Eine besonders robuste Buche, geschätzte 140 Jahre alt, ist seit der letzten Messung um fünf Zentimeter im Umfang gewachsen. Mit einem Stamm von über 80 Zentimetern Dicke ist sie eine seltene Überlebende. Doch solche Exemplare werden eher zu historischen Artefakten als zu einem Zeichen der Gesundheit. Gerade die Bäume, die diese Wälder prägen, die grossen Buchen, kämpfen am stärksten.
Ihre Anfälligkeit ist eine einfache Frage der Biologie. Eine ausgewachsene Buche benötigt täglich zwischen 400 und 600 Liter Wasser, ein Bedarf, den ein sich erwärmendes Klima nicht mehr zuverlässig decken kann. Die Region Basel, im Regenschatten von Jura, Vogesen und Schwarzwald gelegen, erweist sich als Frühwarnsystem für den Rest des Landes. Laut Luzius Fischer vom kantonalen Forstamt zeigten sich die Auswirkungen anhaltender Trockenperioden hier früher als anderswo.
Die Folgen sind quantifizierbar und drastisch. Daten aus einem anderen nahegelegenen Wald zeigen, dass der stehende Holzvorrat innerhalb von 15 Jahren von 300 Kubikmetern pro Hektar auf nur noch 180 zusammengebrochen ist. Dies ist keine subtile Veränderung; es ist eine radikale Ausdünnung. Ein Blick nach oben in das Kronendach bestätigt die Zahlen und offenbart spärliche Kronen und erhebliche Lücken zwischen den Bäumen, wo einst ein dichtes Blätterdach stand.
Diese düstere Bilanz ist jedoch nicht nur eine akademische Übung zur Dokumentation des Rückgangs. Die von Oesch und Hähner gesammelten Daten sind grundlegend für die Planung des Waldes der Zukunft. Die Messungen zeigen nicht nur, welche Arten scheitern, sondern auch, welche sich als widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit erweisen.
Folglich verlagert sich der Fokus der Forstwirtschaft. Das Ziel ist es nun, wie Fischer erklärt, aktiv Arten zu fördern, die besser für die neue Realität gerüstet sind. Bäume wie Eichen, Linden und Kiefern werden bevorzugt, in der Hoffnung, dass sie den kommenden Klimaextremen standhalten können. Es ist ein Eingeständnis, dass der Wald der Vergangenheit verschwunden ist und das, was ihn ersetzt, eine Landschaft sein wird, die mehr von Notwendigkeit als von Natur geprägt ist.
Written by Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com
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