
Ein Sommer der Großzügigkeit, aber nicht für die Schweizer
Ein neues deutsch-französisches Bahnticket ermöglicht günstige Reisen durch die Schweiz, während die einheimische Jugend den vollen Preis zahlen muss. Eine Lehre in asymmetrischer Zusammenarbeit.

Die europäische Zusammenarbeit führt oft zu kuriosen Ergebnissen, und die jüngste Initiative der französischen Staatsbahn SNCF ist ein Paradebeispiel. Für die bescheidene Summe von 29 Euro pro Monat können junge Leute unter 28 Jahren aus der französischen Region Grand Est und drei angrenzenden deutschen Bundesländern unbegrenzt mit Regionalzügen reisen. Das großzügige Angebot für Juli und August umfasst auch das gesamte Schweizer Bahnnetz, ein Vorteil, der normalerweise Inhabern des kostspieligen Generalabonnements (GA) vorbehalten ist.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Haken. Dieses grenzüberschreitende Schnäppchen, das als „Pass Jeune Grand Est Grenzenlos“ vermarktet wird, ist nicht für jedermann. Die SNCF-Website macht deutlich, dass das Angebot für Einwohner der Schweiz nicht anerkannt wird. Ein junger französischer oder deutscher Bürger kann die Alpen für einen Spottpreis mit der Bahn erkunden, während sein Schweizer Gegenstück 260 Franken für ein monatliches Jugend-GA zahlen muss. Die Disparität ist nicht subtil.
Es überrascht nicht, dass dies zu Reibereien geführt hat. Online-Foren für Kunden der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) sind voll von verärgerten Nutzern, die sich, völlig zu Recht, über den Tisch gezogen fühlen. Sie weisen auf die Absurdität eines Systems hin, in dem Ausländer ein de facto GA für einen Bruchteil des lokalen Preises erhalten. Ein Gegenangebot, das Schweizer GA-Inhabern kostenloses Reisen in der Region Grand Est ermöglicht, hat wenig dazu beigetragen, die Gemüter zu beruhigen, da es korrekterweise als geringer Trostpreis identifiziert wurde.
Die offizielle Begründung von Alliance Swisspass, dem Branchenverband für ÖV-Tarife, ist ebenso vorhersehbar wie aufschlussreich. Sie bezeichnen es als „zeitlich befristetes Pilotprojekt“ mit gegenseitiger Anerkennung bestehender Produkte. Mit der offensichtlichen Ungerechtigkeit konfrontiert, verweist die Organisation auf unterschiedliche Systeme und merkt an, dass Frankreich stark subventionierte Angebote für seine Jugend bereitstellt. Dies wird als eine in Paris getroffene politische und finanzielle Entscheidung beschrieben.
Diese Erklärung umgeht jedoch die zentrale Frage: Wem sollen die öffentlichen Dienstleistungen der Schweiz letztlich dienen? Die Antwort scheint diesen Sommer zu sein: allen außer den Schweizern. Während es stimmt, dass der Schweizer öffentliche Verkehr stärker auf Ticketeinnahmen angewiesen ist, sieht dieses „Pilotprojekt“ weniger wie ein Testlauf aus, sondern eher wie ein schlecht ausgehandelter Deal. Es lässt sich fragen, ob die Schweizer Bescheidenheit in internationalen Abkommen zu einer Belastung wird und den stark subventionierten, staatslastigen Volkswirtschaften ihrer Nachbarn auf Kosten ihrer eigenen Bürger zugutekommt.
Geschrieben von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com
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