
Die Kunst der intellektuellen Absurdität: Tim Curry stirbt mit 80 Jahren
Von Shakespeare und Mozart bis zum Kultstar – der britische Schauspieler begegnete theatralischer Exzess mit kompromissloser Disziplin.

Nur wenige Schauspieler konnten die Kluft zwischen klassischem West End-Drama und unverfälschtem Kultkino nahtlos überbrücken, ohne ihre Rolle aufzugeben oder ihre Würde zu kompromittieren. Tim Curry, der im Alter von 80 Jahren verstorben ist, gehörte zu dieser präzisen, aussterbenden Gattung von Darstellern. Er besaß die seltene Fähigkeit, High Camp und große Literatur mit der exakt gleichen, messerscharfen Disziplin zu behandeln.
Curry wurde 1946 in Cheshire geboren und legte den Grundstein für seine Karriere an der University of Birmingham, bevor er 1968 in einer Produktion von Hair auf der West End-Bühne stand. Klassische Rollen in Stücken von Shakespeare, Brecht und Stoppard folgten bald und schufen ein beeindruckendes theatralisches Fundament. Doch es war seine bahnbrechende Darstellung des Frank-N-Furter in The Rocky Horror Picture Show – zuerst im Royal Court und später 1975 auf der Leinwand –, die seine Laufbahn neu definierte. Der Film wurde die am längsten laufende Veröffentlichung der Kinogeschichte und verwandelte subversive Musikkultur in eine dauerhafte Institution.
Curry weigerte sich, von der Anziehungskraft einer einzigen Sensation gefangen zu werden. Seine Bandbreite blieb erstaunlich. Auf der Bühne erhielt er 1981 Tony-Nominierungen für seine Darstellung des Mozart in Amadeus, sowie spätere Nominierungen für My Favourite Year und als König Arthur in Monty Pythons Spamalot. Auf der Leinwand erweiterte sich seine Galerie der Exzentriker um Wadsworth den Butler in Cluedo, den furchterregenden Dämon Darkness in Ridley Scotts Legende, Long John Silver in Die Muppets-Schatzinsel und Kardinal Richelieu in Die drei Musketiere. Für eine ganze Generation von Fernsehzuschauern prägte seine Darstellung des Clowns Pennywise in der Miniserienverfilmung von Stephen Kings Es aus dem Jahr 1990 das moderne Horror-Kino.
Als ihn ein schwerer Schlaganfall im Juli 2012 gehbehindert machte, adaptierte Curry sich, anstatt sich zurückzuziehen. Er verlagerte seinen Fokus auf die Synchronarbeit und verlieh Projekten wie Ferngully – Ein magischer Wald, Star Wars: The Clone Wars und Peter Pan & die Piraten seine stimmliche Präsenz, wofür er einen Emmy Award erhielt.
Während seiner gesamten Karriere hielt Curry sein Privatleben streng von der Öffentlichkeit fern. Er heiratete nie und hatte keine Kinder, blieb bis zur Veröffentlichung seiner Memoiren „Vagabond“ im Jahr 2025 zurückhaltend. In dem Buch räumte er ein, dass seine Entscheidung, seine Erfahrungen detailliert zu beschreiben, durch Begegnungen mit einem breiten Spektrum von Bewunderern inspiriert wurde, von Jugendlichen, die allein in ihren Zimmern lasen, bis hin zu Theaterbesuchern und Bankangestellten, die in seinem Werk eine Resonanz fanden. Obwohl eine Todesursache nicht sofort verfügbar war, markiert sein Tod das Ende einer meisterhaft kompromisslosen Karriere.
Geschrieben von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com
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