Deutschlands Straße ins Nichts

Ein 70 Kilometer langer Abschnitt einer verlassenen Autobahn aus der Nazizeit dient als kostspieliges Mahnmal für ideologisch motivierte Infrastruktur.

Germany's Road to Nowhere

Es ist eine gewisse Ironie, dass ein staatlich geplantes Projekt, das die Schönheit einer Nation zur Schau stellen sollte, zu einem Denkmal ihres Scheiterns wird. Doch genau das ist die Geschichte der Route 46, einer 70 Kilometer langen Schneise in der deutschen Landschaft zwischen Bad Hersfeld und Würzburg. Sie ist Deutschlands längste offiziell registrierte Autobahnruine, eine Geisterstraße aus einer dunklen Vergangenheit.

In den 1930er Jahren konzipiert, wurde der Verlauf der Autobahn weniger durch Verkehrsplanung als vielmehr durch die nationalsozialistische Ideologie bestimmt. Ihr Zweck war nicht, Menschen und Güter effizient zu bewegen, sondern den Fahrern eine kuratierte Ansicht der deutschen Heimat zu präsentieren. Die Route schlängelte sich bewusst durch die Landschaft, um landschaftliche Höhepunkte wie die Burgruine Homburg zu bieten.

Der Bau begann 1937 mit großem Pomp, unter Einsatz großer Arbeitskräfte und der modernsten Maschinen der damaligen Zeit. Das Projekt war jedoch nur von kurzer Dauer. Am 4. Oktober 1939, angesichts des drohenden Krieges und der Priorität militärischer Bedürfnisse, wurden alle Arbeiten abrupt eingestellt.

Die Überreste dieses großen Ehrgeizes prägen immer noch die Landschaft. Ein markanter Brückenpfeiler steht unvollendet bei Schonderfeld, und entlang der geplanten Route findet man immer noch gemauerte Gewölbedurchlässe und Naturstein-Tunnelportale. Diese Bauwerke wurden nach den technischen Standards des Reichsautobahnnetzes errichtet, mit dem Ziel, tausend Jahre zu überdauern.

Nach 1945 beschloss die neue Bundesrepublik weise, das Projekt nicht wiederzubeleben. Planer erkannten die Route als grundlegend unpraktisch an, mit Abschnitten, die zu schmal und Steigungen, die für den modernen Verkehr viel zu steil waren. Neue Prioritäten wurden gesetzt, und die weitaus sinnvollere A7 wurde als primäre Nord-Süd-Achse gebaut.

Seit 2003 steht die Route 46 unter Denkmalschutz, vielleicht der längste erhaltene Abschnitt einer Autobahn in Europa, der nie ein einziges Fahrzeug sah. Die Natur hat zurückerobert, was die Ideologie aufgab; die alte Route dient heute als Lebensraum für Flora und Fauna und als Wanderweg. Es scheint, dass einige der ehrgeizigsten Staatsprojekte Deutschlands am nützlichsten sind, sobald sie dem Verfall preisgegeben wurden.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com