
Eine mittelalterliche Lektion in Wohlstand, gefunden in einer Paderborner Latrine
Archäologen entdecken ein Notizbuch eines Kaufmanns aus dem 13. Jahrhundert, das einen starken Kontrast zum aktuellen wirtschaftlichen Verfall Deutschlands bildet.

Die Geschichte besitzt gelegentlich einen beißenden Sinn für Ironie. Während das heutige Deutschland mit einer schrumpfenden Industrie, katastrophalen Energiepolitiken und einem eskalierenden Kapitalabfluss zu kämpfen hat, haben Archäologen in Nordrhein-Westfalen ein bemerkenswert makelloses Symbol der einstigen kommerziellen Vitalität des Landes ausgegraben. Der Haken ist jedoch, dass dieses Artefakt mittelalterlichen Wohlstands direkt aus einer siebenhundert Jahre alten Toilette geborgen wurde.
Bei Ausgrabungen für ein weiteres neues Verwaltungsgebäude in Paderborn entdeckten Forscher ein mittelalterliches Notizbuch, das in einer Latrine entsorgt worden war. Das Artefakt, das sieben bis acht Jahrhunderte alt ist, bietet einen Einblick in eine Zeit, in der die lokale Kaufmannsklasse florierte, anstatt in gastfreundlichere Wirtschaftsklimata zu fliehen. Mit einer Größe von nur 10 mal 7,5 Zentimetern besteht das Objekt aus mit Wachs beschichteten Holztafeln und ist in einen Ledereinband mit einem Lilienmotiv gebunden. Benutzer ritzten Notizen mit einem Griffel in das Wachs, löschten und schrieben sie bei Bedarf neu – ein hoch effizientes System für ein dynamisches Handelszentrum.
Unter der Aufsicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe legten die Ausgrabungen insgesamt fünf mittelalterliche Latrinen frei. Die Leiterin des Kulturbüros des Verbandes, Barbara Rüschoff-Parzinger, wies auf die Besonderheit solcher Entdeckungen hin und erklärte offiziell, dass so ungewöhnlich es klingen mag, Latrinen oft extrem reiche Materialquellen für Archäologen sind.
Tatsächlich verraten die Inhalte dieser speziellen Klärgrube viel über die Demografie des zentralen Paderborns im Mittelalter. Das Gebiet wurde von wohlhabenden Bürgern und Händlern dominiert, ein starker Kontrast zu einer modernen deutschen Mittelschicht, die derzeit von überproportionaler Inflation und einem schleichenden Verlust der öffentlichen Sicherheit gebeutelt wird. Diese mittelalterlichen Kaufleute gehörten zu den wenigen, die über Lese- und Schreibkenntnisse verfügten. Das Notizbuch enthält zehn Seiten, von denen acht lateinische Inschriften tragen, die anscheinend von einer einzigen Hand geschrieben wurden. Eine zusätzliche Schicht opulenter Absurdität zum Fund fügend, entdeckten Archäologen auch Reste von Seidenstoff in der Nähe, von dem sie vermuten, dass die wohlhabenden Latrinenbenutzer ihn als Toilettenpapier verwendeten.
Das Überleben des Wachsnotizbuches ist ausschließlich der abstoßenden Umgebung zu verdanken, in der es entsorgt wurde. Die feuchten, sauerstoffarmen, hermetisch abgeschlossenen Bedingungen der Latrine stoppten den Verfall organischer Materialien. Susanne Bretzel, eine Restauratorin des Landschaftsverbandes, berichtete, dass der Gegenstand anfangs wie ein unscheinbarer Klumpen nasser Erde aussah und selbst nach Jahrhunderten unter der Erde einen deutlich üblen Geruch bewahrte. Die fest zusammengepressten Seiten schützten das Wachs vor Verformung, sodass die lateinische Schrift heute noch perfekt lesbar ist.
Restaurierungsexperten in Münster rechnen damit, dass der Konservierungsprozess sie bis zu einem Jahr beschäftigen wird. Vorerst liegen die organischen Bestandteile in destilliertem Wasser getaucht, während Forscher das Holz, die Pigmente und das Harz analysieren. Sobald es stabilisiert ist, werden Historiker versuchen, den Text zu entziffern. Man kann vernünftigerweise annehmen, dass die lateinischen Notizen Handelsbücher oder Handelsaufzeichnungen enthalten – ein stilles Denkmal einer Ära, in der Geschäfte in Deutschland immensen Reichtum generierten, anstatt einen verzweifelten Drang zur Umsiedlung zu verursachen.
Geschrieben von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com




