Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland im ersten Quartal verdreifacht

Friedensgruppe warnt: Bis zu 15.000 Anträge 2026 möglich, da neues Wehrdienstgesetz in Kraft tritt; aktive Soldaten unter den Dienstverweigerern.

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die den Status eines Kriegsdienstverweigerers beantragen, hat sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdreifacht. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, warnt die Friedensorganisation hinter der Analyse, könnten 2026 mehr als 15.000 Anträge eingereicht werden.

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstverweigerer (DFG-VK) veröffentlichte die Zahlen am Samstag und berief sich dabei auf eine Antwort der Bundeswehr auf eine formelle Anfrage der Organisation. Den Daten zufolge wurden allein im ersten Quartal 3.493 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Diese Zahl entspricht fast der Gesamtzahl des Vorjahres, die bei 3.867 Anträgen lag.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen,“ sagte Cornelia Mannewitz, Bundessprecherin der DFG-VK, „werden in diesem Jahr weit über 15.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung eingehen.

Die Aufschlüsselung der Antragsteller erzählt ihre eigene Geschichte. Vierundsechzig Anträge kamen von aktiven Soldaten. Weitere 236 kamen von Reservisten. Die größte Gruppe – 3.193 Antragsteller – bestand aus Männern, die überhaupt noch nie in der Bundeswehr gedient hatten.

Laut der Friedensorganisation besuchten allein im April über 1.000 Menschen die Beratungsstellen der DFG-VK, um Informationen und Unterstützung bei der Einreichung ihrer Einsprüche zu erhalten. Die Gruppe stellte fest, dass die Hilfe Suchenden nicht auf junge Männer und Frauen des Geburtsjahrgangs 2008 beschränkt sind, die derzeit erneut von der Wehrpflicht betroffen sind. Das neue Wehrdienstgesetz ist seit Januar in Kraft. Nach dem Gesetz erhalten alle Männer und Frauen in dem Jahr, in dem sie 18 werden, Fragebögen zu ihrer Eignung für den bewaffneten Dienst. Das Ausfüllen des Fragebogens ist für Männer obligatorisch und für Frauen freiwillig. Eine tatsächliche Dienstpflicht über den Papierkram hinaus besteht derzeit jedoch nicht.

Die Friedensorganisation interpretiert den starken Anstieg der Verweigerungsanträge als klare politische Ablehnung des erklärten Ziels von Verteidigungsminister Boris Pistorius, Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen – ein Begriff, der erhebliche Debatten ausgelöst hat. Die DFG-VK sieht die Zahlen auch als Rüge der umfassenderen Bemühungen der Bundesregierung, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen.

Der Trend ist vorerst unverkennbar. Mehr junge Deutsche – und nicht nur die jungen – signalisieren, dass ihre Antwort, wenn es um das Tragen von Waffen geht, Nein ist. Und sie tun dies schriftlich.