
Schweizer Armeerekrutierungskosten zu hoch, warnt interne Prüfung
Die Armee gibt rund 1.100 Franken pro Rekrut aus, wobei eine starke Abhängigkeit von teuren Vertragsärzten die Kosten in die Höhe treibt.

Die Schweizer Armee sollte ihre Finanzen dringend überprüfen, so eine interne Revision des Inspektionsorgans des Verteidigungsministeriums. Während der Rekrutierungsprozess – der Wehrpflichtige für Rollen vom Gebirgsgrenadier bis zum Zivilschutz oder einer vollständigen Ablehnung beurteilt – recht gut funktioniert, haben die Kosten Alarm ausgelöst.
In den letzten Jahren wurden jährlich etwa 35.000 Wehrpflichtige evaluiert, zu Gesamtkosten von rund 37,5 Millionen Franken. Das entspricht einer finanziellen Ausgabe von etwa 1.100 Franken pro Person, so der Revisionsbericht – eine beträchtliche Summe.
Die Prüfung ergab, dass die Kosten offensichtlich keine Priorität haben. Die verschiedenen Akteure sind sich der Ausgaben nur in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen bewusst. Das Revisionsorgan schrieb, dass die benötigten Ressourcen von den Verantwortlichen meist als selbstverständlich angesehen werden. Bei Kostenüberschreitungen versucht der Armeestab, diese zu kompensieren.
Angesichts der Sparbemühungen des Bundes und geplanter Investitionen ins Militär kam die Prüfung zu dem Schluss, dass es unerlässlich ist zu wissen, wo und wie Bundesmittel am effektivsten und effizientesten eingesetzt werden können. Der Bericht empfiehlt eine umfassende Finanzaufsicht für den Rekrutierungsprozess einzuführen.
Die Prüfer identifizierten ein zentrales Risiko: eine hohe Abhängigkeit von teuren Vertragsärzten aufgrund von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von festangestelltem medizinischem Personal. Diese Abhängigkeit beeinträchtigt sowohl die Kostenstabilität als auch die operationelle Sicherheit.
Die Prüfung zeigte, dass medizinische Untersuchungen nicht allein durch Armeearzte zuverlässig gewährleistet werden können. Schon jetzt führen gelegentliche Engpässe bei medizinischem Personal zu Wartezeiten und Verzögerungen im Rekrutierungsprozess, insbesondere in peripheren Regionen. Um die notwendige Kapazität abzudecken, ergänzt die Armee ihr Personal mit Vertragsärzten. Obwohl die Prüfung anerkennt, dass dies eine effektive kurzfristige Lösung ist, ist sie teuer und birgt das Risiko einer zunehmenden Abhängigkeit.
Bereits im letzten Sommer hatte die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats Bedenken geäussert. Sie stellte fest, dass die Vorgaben des Bundesrates, wonach Fitnesstests stets von mindestens zwei Ärzten durchgeführt werden müssen, nicht eingehalten wurden. Zudem müssen die beteiligten Ärzte Mitglieder der Streitkräfte sein oder beim Militär angestellt sein.
Die interne Revision beurteilte die Situation als teilweise kritisch. Es besteht das Risiko, dass Abgänge nicht rechtzeitig ersetzt werden können, was den gesamten Rekrutierungsprozess beeinträchtigen könnte, da dessen Abschluss vollständig von der Beurteilung durch spezialisiertes medizinisches Personal abhängt.
Die Armee ist sich des Problems bewusst. Bisherige Massnahmen zur Erhöhung der Attraktivität von Festanstellungen waren erfolglos. Seit diesem Jahr spricht die Armee gezielt Wiedereinsteiger, Teilzeitkräfte und Militärärzte an, um die Anzahl der festangestellten Mitarbeiter zu erhöhen und die Abhängigkeit von Vertragsärzten zu reduzieren. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, wird es fortgesetzt und schrittweise auf alle Standorte ausgeweitet. Nur dann, so die Prüfung, dürften die Rekrutierungskosten wieder sinken.
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