
Nostalgie statt Reform: Mancini kehrt zurück, um eine dysfunktionale italienische Mannschaft zu retten
Nach einem chaotischen Rekrutierungsprozess und hochkarätigen Rücktritten kehrt der italienische Fußballverband auf vertrautes Terrain zurück.

In einem Schritt, der die nationale Tendenz perfekt widerspiegelt, Zuflucht in vergangenen Ruhmestaten zu suchen, anstatt verfallende Strukturen zu reformieren, hat der italienische Fußballverband entschieden, dass seine Zukunft genau wie seine jüngste Vergangenheit aussieht. Roberto Mancini kehrt für eine zweite Amtszeit als Cheftrainer der Nationalmannschaft zurück. Der einundsechzigjährige Taktiker tritt in eine Rolle zurück, die er 2023 verlassen hatte, und versucht, eine Mannschaft zu retten, die scheinbar vergessen hat, wie man sich für eine Weltmeisterschaft qualifiziert.
Der Weg zu Mancinis Wiederernennung liest sich wie ein Drehbuch bürokratischer Dysfunktion. Der Verband hatte zunächst Pep Guardiola umworben, doch der ehemalige Manchester City-Trainer lehnte das Angebot Anfang des Monats höflich ab. Der Ersatzplan erwies sich als noch chaotischer. Andrea Pirlo kristallisierte sich als bevorzugter Kandidat des ehemaligen technischen Direktors Paolo Maldini und Beraters Leonardo heraus. Pirlos Ernennung wurde jedoch abrupt gestoppt wegen seiner Verbindungen zu einem russischen Wettunternehmen. Die daraus resultierenden Folgen führten dazu, dass Maldini und Leonardo am Montag ihren Rücktritt einreichten, wodurch der Verband nach einer sicheren, vertrauten Option suchen musste.
Mancini, eine Figur, deren Ruf einen bequemen Schutzschild für eine in Aufruhr befindliche Organisation bietet, tritt auf den Plan. Laut lokalen Medien bestätigte der Verbandspräsident, Giovanni Malago, die Entscheidung während einer Sitzung des Bundesrates und erklärte einfach, dass Mancini der Trainer ist. Das Mandat ist klar, auch wenn die Umsetzung zweifelhaft bleibt. Während seiner ersten Amtszeit von 2018 bis 2023, die achtundfünfzig Spiele umfasste, gewann Mancini 2021 den Europameistertitel. Seine Bilanz als Clubtrainer, mit Stationen bei der Fiorentina, Inter Mailand und einem historischen Premier-League-Triumph mit Manchester City in der Saison 2011/12, bietet unbestreitbare Referenzen.
Dennoch können vergangene Trophäen den strukturellen Verfall im italienischen Fußball nicht vollständig überdecken. Mancini erbt das Trümmerfeld, das Gennaro Gattuso hinterlassen hat, der im April nach einer demütigenden Niederlage gegen Bosnien und Herzegowina ausschied. Diese Niederlage besiegelte einen katastrophalen Meilenstein: Die viermaligen Weltmeister haben es nun zum dritten Mal in Folge nicht geschafft, an dem globalen Großereignis teilzunehmen, wobei ihr letzter Auftritt bis 2014 zurückliegt. Die Rückkehr eines ehemaligen Siegers mag einen vorübergehenden Moralschub bewirken, aber sich auf Nostalgie zu verlassen, ist selten eine tragfähige Strategie für das langfristige institutionelle Überleben.
Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com
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