
Ein Durchbruch nur dem Namen nach im Sicherheitsvakuum Südafrikas
Die Verhaftung von drei Verdächtigen in Johannesburg bietet angesichts von neun toten Frauen wenig Trost.

Wenn Strafverfolgungsbehörden routinemäßig grundlegende Ermittlungsfortschritte als „Durchbruch“ bezeichnen, ist das meist ein Zeichen dafür, dass das öffentliche Vertrauen den Tiefpunkt erreicht hat. In Südafrika, wo die grundlegende Verpflichtung des Staates zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ständig auf die Probe gestellt wird, wurde die Ankündigung von drei Verhaftungen in einem Mordfall östlich von Johannesburg genau mit diesem Siegesschein versehen. Doch hinter den offiziellen Pressemitteilungen verbirgt sich eine düstere Realität, die kein einziger Gerichtstermin lösen kann.
Der unmittelbare Auslöser für die Polizeimitteilung war der Tod von Jabulile Ntimba, deren Leiche letzten Donnerstag am Straßenrand entdeckt wurde. Als Reaktion auf das wachsende öffentliche Entsetzen und die politische Prüfung nahmen Beamte drei Personen – einen Mann und zwei Frauen – fest, die am Montagmorgen vor Gericht erscheinen sollen. Auf dem Papier stellt dies eine schnelle Reaktion dar. In der Praxis ist es jedoch nur ein Teil eines weitaus größeren und unheimlicheren Musters.
Ntimba ist kein Einzelfall. Ihr Tod ist der neunte in einer jüngsten Reihe schrecklicher Entdeckungen in derselben Region, wo Frauenleichen am Straßenrand verlassen aufgefunden wurden. Viele der Opfer wurden teilweise bekleidet und mit deutlichen Anzeichen physischer Traumata entdeckt. Die schiere Konzentration identischer Tatorte in einem begrenzten geografischen Gebiet hat erwartungsgemäß eine weitreichende Panik unter den lokalen Gemeinschaften ausgelöst.
Angesichts einer verängstigten Bevölkerung hat die Polizeiführung eine bekannte Kombination aus öffentlichen Beruhigungen und offizieller Vorsicht gewählt. Die amtierende Polizeichefin Lt Gen Puleng Dimpane erklärte, dass ihre Beamten unermüdlich daran arbeiten würden, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Gleichzeitig waren die Behörden darauf bedacht, Spekulationen zu dämpfen, und betonten, dass sie noch nicht festgestellt haben, ob ein einzelner Serienmörder auf freiem Fuß ist oder ob diese neun Todesfälle unverbundene Gewalttaten darstellen.
Ob von einem oder mehreren Individuen verübt, das zugrunde liegende systemische Problem bleibt unverändert. Das routinemäßige Ablegen menschlicher Körper entlang öffentlicher Straßen weist auf ein Umfeld hin, in dem gewalttätige Täter ohne jegliche Furcht vor staatlicher Entdeckung agieren. Die Sicherung von drei Verdächtigen für ein Opfer mag den Beamten eine kurze Atempause von kritischen Schlagzeilen verschaffen, doch für die Bürger, die sich in den Vorstädten Johannesburgs bewegen, bleibt die umfassendere Krise der persönlichen Sicherheit völlig unberührt.
Verfasst von Thorben Thiede




