Das Ende des unendlichen Asphalts: Berns ernüchternde Infrastruktur-Realität

Der Plan 'Verkehr 45' des Bundesrates versucht, Strassen- und Bahnstrategien zu verschmelzen, während Milliarden unfinanzierter lokaler Träume stillschweigend begraben werden.

The End of the Infinite Asphalt: Bern's Sobering Infrastructure Reality

Die Schweiz pflegte lange die bequeme Illusion, dass ihre tiefen Taschen ein unendliches Netz makellosen Asphalts und perfekt getakteter Züge finanzieren könnten. Mit der Vorstellung des Programms Verkehr 45 hat der Bundesrat endlich eine Dosis finanzieller Realität in die Infrastrukturträume der Alpenrepublik gebracht. Zum ersten Mal bündelt Bern die Strassen- und Bahnplanung in einem einzigen strategischen Paket, um die Mobilität bis 2045 zu steuern. Doch unter dem bürokratischen Deckmantel einer integrierten Verkehrspolitik ist dieser Masterplan weitgehend eine Übung im Umgang mit Knappheit. Auch eine reiche Nation muss irgendwann auf ihr Bankkonto schauen.

Das wahre Kernstück dieser Strategie ist nicht das, was gebaut wird, sondern das, was stillschweigend abgebaut wird. Mit einem praktischen Bericht der ETH Zürich bewaffnet, streicht die Regierung 68 kleine und mittlere Bahnprojekte, die zuvor vom Parlament genehmigt wurden. Dieser plötzliche Ausbruch von Haushaltsdisziplin löscht 2,5 Milliarden Schweizer Franken aus den Büchern.

Das Strassennetz steht vor einem noch drastischeren Einschnitt. Einunddreissig Autobahnprojekte werden aufgegeben, was geplante Ausgaben von rund 16 Milliarden Franken eliminiert. Zu den Opfern gehören die Erweiterungen zwischen Le Vengeron und Nyon sowie Schönbühl und Kirchberg, die von den Wählern bereits an der Urne abgelehnt worden waren. Bern wird nun versuchen, den Verkehrsfluss durch betriebliche Massnahmen zu optimieren, anstatt neuen Beton zu giessen.

Natürlich sorgt das hochfunktionale Schweizer Staatssystem dafür, dass genügend grosse Visionen überleben, um einen kontinuierlichen Fluss von Steuergeldern zu rechtfertigen. Bis 2035 werden Pendler zwischen Bern und Zürich Viertelstunden-Bahnverbindungen geniessen, während der Regionalverkehr zwischen Genf und Lausanne Verbesserungen erfahren wird. Auch die Güterkapazität zwischen Lausanne und Zürich über Biel wird erweitert. Weiter in die Zukunft blickend, bis 2045, verspricht die Regierung grosse Ingenieurleistungen wie den Zimmerberg-Basistunnel II, den Grimseltunnel und bedeutende Bahnhofserweiterungen in Genf Cornavin und Basel SBB.

Die Finanzierung dieser überlebenden Bahnambitionen erfordert ein bekanntes politisches Manöver. Der Bundesrat benötigt, dass die Wählerschaft den temporären Mehrwertsteuerpromille für den Bahninfrastrukturfonds verlängert, der derzeit 2030 ausläuft. Die Sicherung dieser Einnahmequelle erfordert eine Verfassungsänderung und ein obligatorisches Referendum. Die Regierung setzt darauf, dass die bekanntermassen folgsamen Wähler stillschweigend zustimmen werden, für das Privileg ihres gefeierten Transitnetzes weiterhin zu zahlen.

Auch Autofahrer werden in dieser konsolidierten Vision nicht völlig vergessen. Die Ausbauphase 2027 umfasst eine sechsspurige Modernisierung der A1 zwischen Aarau-Ost und der Verzweigung Birrfeld sowie eine weitere Erweiterung zwischen Perly und Bernex. Um die Kantone zu besänftigen, verteilt Bern zudem 1,68 Milliarden Franken aus dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds auf 40 städtische Gebiete. Es ist ein klassischer Schweizer Kompromiss: Überschüsse kürzen, gerade genug lokale Infrastruktur-Leckerbissen verteilen, um eine Rebellion zu verhindern, und die Öffentlichkeit höflich bitten, die Steuerhähne offen zu halten.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com