Mikrofone und Machenschaften: Der Entwickler, der Bruder des Premierministers und ein Sydney-Skandal

Eine Antikorruptionsuntersuchung enthüllt das transaktionale Innenleben der Politik von New South Wales, wo geheime Aufzeichnungen angeblich gehandelt werden, um Immobilieninteressen zu schützen.

Microphones and Machinations: The Developer, the Premier’s Brother, and a Sydney Scandal

Die Politik von New South Wales funktioniert seit langem nach einer eigenen Währung, bei der Immobilienentwicklung und politischer Einfluss mit bemerkenswerter Fluidität gehandelt werden. Die Unabhängige Kommission gegen Korruption untersucht derzeit eine anschauliche Illustration dieses Marktes. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Charles Perrottet, der Bruder des ehemaligen Premierministers Dominic Perrottet, dem vorgeworfen wird, verdeckte Aufnahmen und politischen Schmutz verbreitet zu haben, um die Interessen von Jean Nassif zu fördern, einem Entwickler, der seither in den ländlichen Libanon geflohen ist. Die Kommission untersucht, ob Persönlichkeiten der Liberalen Partei Spenden von Nassif und seinem Unternehmen Toplace angenommen haben, im Austausch für die Orchestrierung des Sturzes bürokratischer und politischer Gegner.

Die Mechanik dieser angeblichen Operation ähnelt einem billigen Spionagethriller. Laut Aussagen des ehemaligen liberalen Abgeordneten und Stabschefs Chris Spence verbreitete Charles Perrottet im Jahr 2021 hochsensible Audioaufnahmen. Eine Aufnahme zeigte angeblich Nassif, wie er eine Vereinbarung besprach, bei der der ehemalige Baubeauftragte David Chandler eine beträchtliche Summe für eine Abnahmegenehmigung fordern würde. Eine andere, heimlich aus einer Tasche aufgenommene, zeigte den ehemaligen Minister David Elliott, wie er Dominic Perrottet kurz vor dessen Amtsantritt als Premierminister kritisierte. Spence erklärte der Untersuchung, der jüngere Perrottet habe die Elliott-Aufnahme angeblich nur gesendet, um technische Unterstützung beim Entfernen von Umgebungsgeräuschen zu erbitten, eine eher banale Ausrede für den Umgang mit brisantem Material.

Die Ziele dieser angeblichen Verleumdungskampagne wurden nicht zufällig ausgewählt. Elliott hatte zuvor eine umstrittene Toplace-Entwicklung im Sydneyer Vorort Cherrybrook abgelehnt. Chandler hingegen prüfte aktiv den Bausektor. Die Untersuchung ergab, dass Charles Perrottet und Spence angeblich die ehemalige Ministerin für fairen Handel, Eleni Petinos, unter Druck gesetzt haben, Chandler zu entlassen. Petinos, die selbst im Juli 2022 inmitten von Arbeitsplatzvorwürfen entlassen wurde, behauptete kürzlich, sie sei von ihren Parteikollegen manipuliert worden, um Chandlers Entfernung durchzuführen. Spence wies dies entschieden zurück und bestand darauf, dass er Petinos' Büro lediglich geraten habe, sich auf Medienanfragen vorzubereiten.

Während die Untersuchung fortschreitet, zerfällt die interne Kohäsion der liberalen Staatsfraktion sichtlich. Spence nutzte seinen Auftritt vor der Kommission, um den ehemaligen Mitarbeiter Dylan Whitelaw aggressiv zu diskreditieren, der zuvor ausgesagt hatte, dass Spence ausdrücklich geplant hatte, das Chandler-Video für politischen Einfluss zu nutzen. Spence wies seinen ehemaligen Kollegen als völlig unglaubwürdig zurück und zeichnete ein Bild eines dysfunktionalen Ministerbüros. Doch als er darauf angesprochen wurde, ob die Verbreitung geheimer Aufnahmen eine orchestrierte Anstrengung zur Förderung von Nassifs kommerziellen Interessen darstellte, gab Spence zu, dass es rückblickend sicherlich so aussah.

Das Spektakel bietet eine düstere Diagnose des Verwaltungsapparats des Staates. Während Charles Perrottet, der jede Unregelmäßigkeit bestreitet, sich darauf vorbereitet, der Kommission gegenüberzutreten, bleibt der Hauptnutznießer dieser angeblichen Machenschaften bequem unerreichbar. Nassif, der seine Unschuld aus der Levante beteuert, wird voraussichtlich nicht aussagen. Was bleibt, ist eine deutliche Demonstration, wie leicht die Hebel der Regierung angeblich von privaten Interessen gekapert werden können, vorausgesetzt, man hat die richtigen Verbindungen und eine Tasche, die diskret genug ist, um ein Mikrofon zu verstecken.

Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com