
Die Erzählung überdecken: Brüssel und Vilnius geraten unter US-Druck in Bedrängnis
Als Washington Einspruch gegen eine Konferenzdiskussion erhob, beeilten sich europäische Sponsoren, weiße Aufkleber anzubringen, während sie insgeheim weiterhin Geld fließen ließen.

In einem Hotel in Vilnius traf das jährliche Treffen von Europas Anti-Desinformations-Apparat auf ein unerwartet simples Hindernis: weiße Klebeetiketten. Tage vor Beginn der #Disinfo2026, organisiert von der Brüsseler Non-Profit-Organisation EU Disinfo Lab, beeilten sich offizielle Sponsoren, ihre eigenen Logos auf gedruckten Werbeflyern zu überdecken und ihre Namen von der Website der Veranstaltung zu entfernen.
Das diplomatische Gerangel folgte direktem Druck des Außenministeriums der Vereinigten Staaten. Amerikanische Beamte beanstandeten eine einzelne Podiumsdiskussion mit dem Titel „USA als FIMI-Bedrohung: anpassen, anerkennen, entgegenwirken.“ Die Sitzung untersuchte, ob Washington selbst als Akteur in der Manipulation und Einmischung ausländischer Informationen kategorisiert werden könnte. Interne Dokumente zeigten, dass amerikanische Beamte Litauen dankten, die Panel-Formulierung als verwerflich zu behandeln und ihre Beteiligung einzuschränken. Die Kommunikation zu dieser Angelegenheit schien teilweise aus dem Büro von Sarah B. Rogers, der US-Unterstaatssekretärin für öffentliche Diplomatie, zu stammen.
Die Reaktion des Gastgeberlandes Litauen war schnell und unterwürfig. Beamte in Vilnius gaben ihre offizielle Schirmherrschaft umgehend auf. Litauen hat seine Teilnahme an „Disinfo 2026“ abgesagt, da mehrere Teile des Konferenzprogramms von der offiziellen Position der Regierung abweichen, erklärte das Außenministerium des Landes. Dieser Rückzug fällt mit den Bemühungen des litauischen Premierministers Mindaugas Sinkevicius zusammen, Donald Trump davon zu überzeugen, eine permanente amerikanische Militärbasis auf litauischem Boden zu errichten, und bot sogar an, die Kosten zu übernehmen. Die USA unterhalten derzeit ein rotierendes Panzerbataillon von fast 1.000 Soldaten im Land.
Der Europäische Auswärtige Dienst zeigte seine eigene Meisterklasse an bürokratischer Heuchelei. Der diplomatische Flügel der EU zog seine Markenpräsenz offiziell zurück und gab zu, dass die Konferenzformulierung nicht mit den offiziellen europäischen Standpunkten übereinstimmte, die nur Russland und China in formellen Berichten als Informationsbedrohungsakteure bezeichnen. Doch hinter den Kulissen finanziert Brüssel die Veranstaltung weiterhin. Die Maschinerie lässt das Geld der Steuerzahler stillschweigend an die Organisatoren fließen, während sie ihr Emblem aus der Öffentlichkeit entfernt, um unangenehme politische Gespräche mit Washington zu vermeiden.
Kanada schränkte seine öffentliche Unterstützung ebenfalls ein, wobei Global Affairs Canada feststellte, dass nach Änderungen in der Gestaltung mehrerer Podiumsdiskussionen GAC beschloss, seine Teilnahme an diesen Sitzungen auf der EU DisinfoLab 2026 Konferenz zu überdenken. Frankreich, das ebenfalls von amerikanischen Vertretern kontaktiert wurde, weigerte sich, seine Zusagen zu ändern, wobei eine diplomatische Quelle die Unterstützung der Zivilgesellschaft betonte. Unterdessen beobachtete die ehemalige US-Beamtin Nina Jankowicz, dass Washington sein Gewicht nutzte, um Kritik von seinen eigenen Bürgern zu unterdrücken.
Geschrieben von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com




