Crans-Montana: Rechenschaftspflicht auf dem Prüfstand

Nach monatelangem Schweigen infolge einer lokalen Katastrophe präsentiert Bürgermeister Nicolas Féraud eine Verteidigung, die mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet.

Accountability on Ice in Crans-Montana

In der Politik ist ein längeres Schweigen selten ein Zeichen stiller Kompetenz. Öfter ist es eine strategische Pause vor einem sorgfältig inszenierten Comeback. Der Bürgermeister von Crans-Montana, Nicolas Féraud, hat sein selbst auferlegtes öffentliches Schweigen, das nach dem verheerenden Brand am 1. Januar begann, beendet – nicht mit einer umfassenden Rechenschaftslegung, sondern mit einer Meisterleistung in politischer Selbstverteidigung.

Die auffälligste Episode betrifft ein Kaffeetreffen. Nach einem zermürbenden zwölfstündigen Verhör durch Staatsanwälte im April traf sich Féraud mit dem ehemaligen Sicherheitschef der Gemeinde, einer weiteren Person, die in derselben Untersuchung beschuldigt wird. Féraud weist die daraus resultierenden Kollusionsvorwürfe als absurd zurück und stellt das Treffen als einfachen Akt der Freundschaft und Unterstützung dar. Seine Logik ist, dass sie, wenn sie beabsichtigt hätten zu konspirieren, vier Monate Zeit gehabt hätten, dies diskreter zu tun. Man könnte sich fragen, ob dies die beruhigendste Verteidigung ist, die ein Amtsträger bieten kann.

Erwartungsgemäß hat der Bürgermeister keine Absicht zurückzutreten. Forderungen nach seinem Rücktritt, insbesondere von italienischen Medien, werden abgewiesen. Seinem Bericht zufolge wäre das Verlassen seines Postens ein Akt der Feigheit und Desertion. Er wurde, so betont er, gewählt, um die Angelegenheiten in guten wie in schlechten Zeiten zu regeln. Dies ist ein edler Gedanke, doch er umgeht bequem die Frage der politischen Verantwortung, wenn unter der eigenen Verwaltung katastrophale Dinge geschehen.

Féraud behauptet, der Gemeinderat sei jetzt geeinter denn je, eine merkwürdige Aussage angesichts der Umstände. Er und ein weiteres Ratsmitglied, Patrick Clivaz, sind beide Gegenstand der Untersuchung und müssen den Raum verlassen, wann immer ihre eigenen Verantwortlichkeiten besprochen werden. Dies zeichnet kaum das Bild einer reibungslos funktionierenden Regierung; es deutet auf eine Führungsteam hin, das durch eigene rechtliche Probleme beeinträchtigt ist. Ein Großteil der Ratsarbeit, so gibt er zu, dreht sich nun um die Folgen der Katastrophe, von der Sicherheit bis zum Umgang mit der Justiz und den Familien der Opfer.

Der finanzielle Horizont sieht ebenso beunruhigend aus. Zivilrechtliche Verfahren könnten sich über fünfzehn Jahre erstrecken, eine Zeit, in der die Gemeinde möglicherweise keine finanziellen Reserven aufbauen könnte. Trotzdem versichert Féraud den Bewohnern, dass keine Steuererhöhung geplant sei, ein Versprechen, das schwer zu halten sein könnte, wenn die Rechnungen fällig werden. Er ist jedoch sicher, dass die Unterstellung der Gemeinde unter Zwangsverwaltung sinnlos wäre. Die Bürger von Crans-Montana müssen nun abwägen, ob sie standhaftes Führung in einer Krise oder lediglich das entschlossene Überleben eines Politikers erleben.

Geschrieben von Christiane Hofreiter

christiane.hofreiter@alpineweekly.com