Die Wirtschaftsblockade Teherans und die Ausweitung der maritimen Front

Während diplomatische Gespräche militärische Schläge pausieren, droht eine erneute US-Marineblockade, Irans Binnenwirtschaft über den Bruchpunkt hinaus zu treiben.

The Economic Siege of Tehran and the Widening Maritime Front

Die Waffen haben vorübergehend geschwiegen, aber die Wirtschaftsblockade geht weiter. Washington und Teheran führen derzeit vermittelte Gespräche über Oman, was das US-Zentralkommando dazu veranlasste, umfangreiche Bombenoperationen für zwei Nächte auszusetzen. Laut dem US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, gibt Präsident Donald Trump dem diplomatischen Kanal etwas Raum. Iran hat seine regionalen Vergeltungsschläge ebenfalls eingestellt. Doch dieses fragile diplomatische Fenster steht in scharfem Kontrast zu einem ausufernden Seekonflikt, der sich nun vom Roten Meer bis zum Kaspischen Meer erstreckt.

Im Mittelpunkt der Pattsituation steht eine erneute US-Marineblockade, die seit Mitte Juli die südlichen Häfen Irans ins Visier nimmt. Das US-Militär hat den Kordon strikt durchgesetzt, Handelsschiffe umgeleitet und nicht konforme Schiffe geentert, darunter einen Tanker, der angeblich mit dem sanktionierten Shamkhani-Netzwerk in Verbindung gebracht wird. Teheran hat darauf reagiert, indem es die Straße von Hormus aktiv für den Verkehr geschlossen hält.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen für Iran sind gravierend. Während das Erdölministerium Rohölverkäufe von 11,5 Milliarden Dollar während des breiteren Konflikts angibt, reduzierte die vorherige US-Blockade im April die iranischen Exporte auf nahezu Null. Da 90 Prozent seines Rohöls über die Insel Kharg gehen, droht eine längere zweite Blockade, die wichtigste finanzielle Lebensader des Staates zu unterbrechen.

Der externe Druck beschleunigt einen inneren Zerfall, da Infrastrukturschäden durch US-amerikanische und israelische Militäroperationen Ende Februar etwa ein Drittel der iranischen Erdgasproduktion lahmlegten. Infolgedessen leiden Teheran und andere Großstädte unter rollierenden Stromausfällen. Präsident Masoud Pezeshkian hat angeordnet, dass die industrielle Stromversorgung bis Ende September unberührt bleibt, ein administrativer Hebel, um weitere Schäden an einem bereits angeschlagenen Arbeitsmarkt zu verhindern. Unterdessen zwingt ein tägliches Benzindefizit von über 20 Millionen Litern die Behörden dazu, die gefährliche Option einer Verdoppelung bestimmter Kraftstoffpreise in Erwägung zu ziehen. Ähnliche Preiserhöhungen Ende 2019 und im vergangenen Dezember führten zu massiven, tödlichen inneren Unruhen, was dies zu einem gefährlichen Spiel für das Regime macht.

Die Isolation ist quantifizierbar. Der Nicht-Öl-Handel mit China, traditionell Teherans wirtschaftlicher Rückhalt, brach im März und Juni im Jahresvergleich um 75 Prozent ein. In Kombination mit staatlich verordneten Internet-Blackouts hat die chronische Inflation die Kaufkraft stark untergraben. Laut einem staatlich angeschlossenen Pensionsinstitut wird erwartet, dass die Armutsquote in diesem Jahr 45 Prozent erreichen wird.

Unterdessen weitet sich der geografische Fußabdruck des Konflikts nach Süden aus. Im Roten Meer haben Huthi-Kräfte eine Blockade gegen Saudi-Arabien eingeleitet, die den kommerziellen Transit nahe der Meerenge Bab al-Mandab zum Ziel hat und saudische Ölanlagen angreift. Riad hat mit umfangreichen Luftoperationen in ganz Jemen reagiert.

Weiter nördlich hat das Kaspische Meer seinen Status als sichere Handelsroute verloren. Ukrainische Streitkräfte griffen dort ein Schiff an, wobei Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, es habe Militärgüter transportiert. Iranische Behörden konterten, das Schiff habe lediglich russisches Eisen transportiert, meldeten einen Todesfall und bestellten Kiews Gesandten ein, um zu warnen, dass der Akt nicht unbeantwortet bleiben würde. Globale Logistiknetzwerke sehen sich nun einer mehrfrontigen Störung gegenüber, was beweist, dass lokalisierte geopolitische Eskalation selten lokal bleibt.

Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com