
Automatisierte Überzeugung: Wie KI-Konten ausländische Einflussoperationen bürokratisierten
OpenAI hat russische und iranische Netzwerke stillgelegt, die ChatGPT nutzten, um syndizierte Artikel zu veröffentlichen und verdeckte Think Tanks zu besetzen.

Die Erwartung, dass Künstliche Intelligenz primär als Werkzeug für banale Unternehmenseffizienz dienen würde, traf einmal mehr auf die vorhersehbaren Realitäten internationaler Staatskunst. Laut von OpenAI veröffentlichten Erkenntnissen setzten staatsnahe Akteure aus Russland und dem Iran ChatGPT systematisch ein, um gefälschte journalistische Identitäten zu etablieren, täuschende Tarnorganisationen zu leiten und politische Kommentare zu verbreiten.
Zu den zerschlagenen Netzwerken gehörte eine russische Operation, die einen lateinamerikanischen Think Tank namens Social Research Center aufbaute. Laut OpenAI rekrutierte die Gruppe lokales Personal, das sich ihres wahren Arbeitgebers nicht bewusst war, um originales Material zu produzieren, das darauf abzielte, die regionalen Wahrnehmungen der Ukraine neu zu gestalten. OpenAI beschrieb dieses Setup als die komplexeste Tarnidentität, die es in zweieinhalb Jahren zerschlagen hatte. Über Lateinamerika hinaus nutzte das Netzwerk europäische politische Reibungen und generierte gezielte Social-Media-Reaktionen auf einen Vorschlag des polnischen rechtsextremen Europaabgeordneten Grzegorz Braun, „antipolnische Gesinnung“ zu bestrafen, um innenpolitische Debatten über Polens unerschütterliche Ausrichtung auf Kiew anzuheizen.
Gleichzeitig stützte sich eine iranische Kampagne auf sieben künstliche Autorenprofile, die sich als westliche Journalisten ausgaben, darunter eine Persona, die als amerikanischer Freiberufler Ervin B. Hoskins bezeichnet wurde. OpenAI berichtete, dass dieses Netzwerk zwischen Juli 2025 und Oktober 2026 erfolgreich fast 100 lange Artikel in etwa einem Dutzend kleiner und mittlerer internationaler Nachrichtenmagazine platzierte. Die Netzwerkaktivität beschleunigte sich nach dem Ausbruch des US-Iran-Krieges, wobei die automatisierte Textgenerierung genutzt wurde, um Kommentare auf Plattformen wie X und Instagram zu verbreiten und gleichzeitig den öffentlichen Diskurs in Washington und Israel zu beeinflussen.
Diese Kontoschließungen verdeutlichen eine klare Verschiebung in der Art und Weise, wie digitale Werkzeuge bei geopolitischen Reibereien eingesetzt werden. Statt traditionelle Propagandamethoden zu ersetzen, werden generative Modelle in routinemäßige operative Arbeitsabläufe integriert – sie verfassen interne Verwaltungsberichte, entwerfen syndizierte Kommentare und pflegen fiktive Personas auf globalen Plattformen.
Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com




