Kartierung der Mittelschicht: Berlins stiller Vorstoß zur Vermögensverfolgung der Bürger

Eine geplante Regierungsbefragung zu Privatvermögen signalisiert eine verzweifelte Suche nach neuen Einnahmen angesichts explodierender öffentlicher Defizite.

Mapping the Middle Class: Berlin's Quiet Push for Citizen Wealth Tracking

Wenn einer Regierung nach Jahren des fiskalischen Missmanagements das Geld ausgeht, entscheidet sie sich selten dafür, ihren eigenen ausufernden Apparat zu straffen. Stattdessen beginnt sie zu messen, wie viel ihre Bürger noch auf ihren privaten Konten haben.

Das Bundesarbeitsministerium hat eine geplante Befragung von 5.000 Bürgern angekündigt, um Privatvermögen zu bewerten und die öffentliche Meinung zur Verteilungsgerechtigkeit zu erfassen. Arbeitsministerin Bärbel Bas bestätigte die Initiative in einem nationalen Medium und legte dabei beiläufig ihr kategorisches Dementi solcher Pläne von nur drei Wochen zuvor beiseite. Das Projekt, verpackt unter dem wissenschaftlichen Label eines Umfrageexperiments zur Vermögensungleichheit in der Bevölkerung, wird über eine EU-weite Ausschreibung vergeben, die am 1. September endet.

Der Zeitpunkt ist kaum zufällig. Das Statistische Bundesamt meldete kürzlich ein erschreckendes öffentliches Defizit von 71,3 Milliarden Euro für das erste Halbjahr, was einer Steigerung von 36,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Einnahmen aus Körperschaft- und Gewerbesteuer sinken seit mehreren Quartalen, begleitet von einer wachsenden Welle von Insolvenzen, Geschäftsaufgaben und steigender Arbeitslosigkeit. Das Ifo Institut hatte bereits gewarnt, dass Deutschland sich einem fiskalischen Kipppunkt nähert, an dem die Steuereinnahmen schrumpfen könnten, was die Berliner Gewohnheit üppiger öffentlicher Ausgaben zu beenden droht.

Angesichts leerer Kassen richtet die politische Klasse ihren Blick auf Privateigentum. Während vierjährige Vermögensumfragen von Instituten wie dem DIW in Berlin nicht völlig neu sind, trägt diese jüngste Iteration einen expliziten normativen Zweck. Ziel ist es, eine pseudo-wissenschaftliche Rechtfertigung für künftige Steuererhöhungen, erweiterte Erbschaftssteuern und neue Abgaben auf Kapital zu konstruieren.

Diese Initiative fügt sich nahtlos in umfassendere Ambitionen aus Brüssel ein, wo seit langem über ein umfassendes Vermögensregister diskutiert wird, um eine vollständige Finanzüberwachung der Bürger zu ermöglichen. Doch die Prämisse, dass vermögende Privatpersonen die Rechnung zahlen werden, bleibt eine Fantasie. Hoch mobiles Kapital entzieht sich leicht nationaler fiskalischer Übergriffe. Die Last der staatlich verordneten Umverteilung wird unweigerlich auf die immobile Mittelschicht und familiengeführte Unternehmen fallen, die an das Land gebunden sind.

Wenn der Staat Privateigentum als nach eigenem Ermessen geleaste Vermögenswerte behandelt, verschiebt sich das Machtgleichgewicht vollständig vom Bürger zur Verwaltungsmaschine. Eine Regierung, die auf selbst verschuldeten wirtschaftlichen Niedergang reagiert, indem sie die privaten Ersparnisse ihrer Bevölkerung genau unter die Lupe nimmt, hat ihre Beziehung zur Öffentlichkeit grundlegend verändert.

Verfasst von Thorben Thiede

thorben.thiede@alpineweekly.com