
Die Römerbrücke von Solothurn: Ein offenes Geheimnis endlich bestätigt
Nach Jahrhunderten der Annahme haben Taucher die Überreste einer Römerbrücke in der Aare entdeckt, eine Entdeckung, die mehr dem Zufall als systematischer Forschung zu verdanken ist.

Manche historischen Wahrheiten scheinen so selbstverständlich, dass sie kaum bewiesen werden müssen. Die Existenz einer Römerbrücke in Solothurn, einem strategischen Übergang über die Aare, war immer ein solcher Fall. Nun, nach Jahrhunderten fundierten Glaubens, sind endlich physische Beweise aus den Tiefen des Flusses aufgetaucht.
Die Bestätigung stammt von Tauchern, die vor dem Bau einer neuen Eisenbahnbrücke das Flussbett untersuchten. Wenige Meter flussabwärts der modernen Wengibrücke fanden sie Überreste von Holzpfählen, einige bis zu einem Meter lang mit einem Durchmesser von etwa 20 Zentimetern. Eine spätere Analyse datierte das Holz auf das 4. Jahrhundert, was kaum Zweifel an ihrem römischen Ursprung lässt.
Natürlich war der Standort nie wirklich ein Geheimnis. Die Römer gründeten Salodurum, ein Name, der sich mit „Flussenge“ übersetzen lässt, eben weil es ein idealer Übergangspunkt war. Später befestigten sie die Siedlung mit einem Castrum, einer militärischen Standardpraxis zur Sicherung einer wichtigen Brücke an einer Hauptverkehrsader, die Italien mit dem Rhein verband.
Dass überhaupt noch etwas zu finden war, bezeichnet die kantonale Archäologieabteilung als „Glücksfall“, wobei die Verantwortlichen zugaben, kaum auf eine so direkte Bestätigung gehofft zu haben. Die Pfähle überstanden irgendwie die umfassenden Baggerarbeiten des Flussbettes während der Juragewässerkorrektion 1969, offenbar geschützt durch die Pfeiler der nahegelegenen Wengibrücke. Sie sind seitdem in der sauerstoffarmen Umgebung des Wassers erhalten geblieben.
Doch dies ist keine Geschichte einer reinen, plötzlichen Entdeckung. Es stellt sich heraus, dass einige dieser Überreste bereits 1990 vermerkt wurden. Aus finanziellen und personellen Gründen wurde der ursprüngliche Fund jedoch damals nicht weiter verfolgt.
Man könnte sich fragen, was drei Jahrzehnte in einem Land dauerte, das nicht für seinen Mangel an Ressourcen bekannt ist. Die Wiederentdeckung schliesst nun ein Kapitel, doch die Relikte selbst werden nicht bewegt. Unter Berufung auf unverhältnismässige Kosten werden die Behörden sie im Flussbett belassen, wo sie in mehreren Metern Tiefe vor Störungen geschützt sind. Sie werden ein untergetauchtes Denkmal römischer Ingenieurskunst und vielleicht einer gewissen Art modernen Schweizer Pragmatismus bleiben.
Geschrieben von Freya Stensrud freya.stensrud@alpineweekly.com




