
Der schwindende Nutzen der Megafon-Diplomatie
Sechs Monate nach Beginn des Konflikts werden Donald Trumps erratische digitale Drohungen von einer erschöpften iranischen Öffentlichkeit, die sich auf eine zusammenbrechende Wirtschaft konzentriert, zunehmend ignoriert.
Sechs Monate nach Beginn eines Konflikts, der wild zwischen apokalyptischen Drohungen und plötzlichen diplomatischen Annäherungen schwankt, hat der amerikanische Oberbefehlshaber etwas Bemerkenswertes erreicht: Er hat seine Gegner in die Knie gezwungen, indem er sie gelangweilt hat. In Teheran wird die tägliche Flut widersprüchlicher Erklärungen von Donald Trump nicht mehr mit Panik, sondern mit der müden Gleichgültigkeit einer Bevölkerung aufgenommen, die sich auf das wirtschaftliche Überleben konzentriert. Gewöhnliche Iraner, von Finanzfachleuten bis hin zu Tech-Managern, haben die erratischen Botschaften aus Washington weitgehend ausgeblendet. Für sie hat sich der unerbittliche Kreislauf von versprochener Vernichtung, gefolgt von plötzlichen Waffenstillständen – wie dem abgebrochenen Angriff vom 7. April – zu einem bloßen Werkzeug der Marktmanipulation statt einer kohärenten Außenpolitik entwickelt.
Doch während die Rhetorik leicht abgetan werden kann, lässt sich die damit einhergehende wirtschaftliche Verwüstung nicht ignorieren. Der iranische Rial dümpelt derzeit nahe einem historischen Tief und wird auf dem offenen Markt bei etwa 1,91 Millionen pro US-Dollar gehandelt. Dies stellt einen erschütternden Zusammenbruch seit Mitte Juni dar, als ein kurzes, inzwischen ausgesetztes Abkommen, das von regionalen Akteuren vermittelt wurde, die Währung vorübergehend auf 1,54 Millionen ansteigen ließ. Die Inflation ist laut dem Statistischen Zentrum des Iran auf fast 90 Prozent gestiegen. Der amerikanische Präsident hat sich offen mit diesem finanziellen Ruin gebrüstet und auf sozialen Medien Diagramme präsentiert, um die Zerstörung der iranischen Währung für sich zu beanspruchen. Es ist eine eigenartige moderne Kriegsführung, bei der die wirtschaftliche Erstickung online gefeiert wird, während kinetische Aktionen dauerhaft in Bereitschaft bleiben, zumindest bis zu den US-Kongresswahlen im November.
Diplomatisch gesehen scheinen die beiden Hauptstädte in völlig unterschiedlichen Realitäten zu agieren. Trump kündigte kürzlich an, dass vermittelte Gespräche mit Teheran unmittelbar bevorstünden. Im krassen Gegensatz dazu besteht das iranische Außenministerium darauf, dass alle Verhandlungen in der Endphase bezüglich der Straße von Hormus mit Oman geführt werden und Washington vollständig umgangen wird. Der Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, wies die Behauptungen der amerikanischen Regierung, Teheran habe darum gebeten, die Energieinfrastruktur im Austausch für Gespräche zu verschonen, ausdrücklich zurück und erklärte dem Staatsfernsehen, die Regierung werde ihre strategischen Kernpositionen nicht aufgeben. Dazu gehören die Beibehaltung der Einflussnahme auf die Straße von Hormus, der Schutz des Atomprogramms und der regionalen bewaffneten Netzwerke sowie die Forderung nach Aufhebung lähmender Sanktionen.
Innerhalb Irans bleibt das politische Establishment tief gespalten darüber, wie mit der amerikanischen Unberechenbarkeit umgegangen werden soll. Präsident Masoud Pezeshkian befürwortet weiterhin das ausgesetzte Juni-Memorandum of Understanding und erklärt in den sozialen Medien, dass die Sicherheit des Landes, der Region und unserer Verbündeten durch dieses Memorandum verbessert wird. Hardliner hingegen nutzen staatliche Medien, um die Öffentlichkeit auf einen umfassenden amerikanischen Angriff vorzubereiten, und skizzieren Szenarien, die Attentate, Grenzzusammenstöße, interne Unruhen und eine Bodenoffensive im Süden umfassen.
Die amerikanische Strategie scheint vollständig darauf zu beruhen, maximalen Druck durch eine Blockade südlicher Häfen und eine Flut digitaler Ultimaten auszuüben. Trump erklärte kürzlich in den sozialen Medien, dass nichts nach Iran gelangt, es sei denn, wir wollen es, und nichts wird gelangen, es sei denn, ein Abkommen oder eine totale Kapitulation wird erreicht. Doch wenn das Zielpublikum aufgehört hat zuzuhören, ist die Wirksamkeit des Regierens über soziale Medien stark eingeschränkt.
Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com
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