Europas Papierschild gegen russische Drohnen

In Brüssel zeigt eine weitere Debatte über Luftraumverletzungen ein bekanntes Muster: starke Worte und strategische Lähmung.

Europe's Paper Shield Against Russian Drones

Während der Krieg in der Ukraine einen weiteren Sommer lang wütet, hat sich an Europas Ostflanke eine neue Routine eingespielt. Eine russische Drohne, wahrscheinlich auf ein ukrainisches Ziel gerichtet, verirrt sich über die Grenze in den EU-Luftraum. Trümmer fallen herab. Und aus Brüssel kommt eine Welle der Aktivität, die in einer „starken Verurteilung“ und sonst nichts mündet.

Der jüngste Vorfall in Rumänien war ein Paradebeispiel für dieses politische Theater. Als Reaktion darauf tat das Europäische Parlament, was es am besten kann: Es hielt eine Debatte ab. Zwei Abgeordnete, Rasa Juknevičienė aus Litauen und Merja Kyllönen aus Finnland, diskutierten die offensichtliche Notwendigkeit, diese Luftraumeindringlinge zu entdecken, zu verfolgen und abzufangen. Dies ist eine Schlussfolgerung, zu der jeder Militärakademiker in fünf Minuten gelangen könnte, doch in den Hallen der EU stellt sie eine bedeutende politische Beratung dar.

Die litauische Position, die von Juknevičienė artikuliert wurde, spiegelt natürlich die ständige Angst der baltischen Staaten wider, die sich selbst als Nächste auf Moskaus Liste sehen. Die Forderungen nach einer Stärkung der Ostflanke sind ebenso vorhersehbar wie verständlich. Das grundlegende Problem ist jedoch nicht ein Mangel an Einigkeit darüber, was getan werden sollte, sondern ein tiefgreifender Mangel an politischem Willen, es zu tun.

Der Konsens in den westlichen Hauptstädten ist, dass diese Übergriffe Ausläufer und keine vorsätzlichen Angriffe sind. Diese bequeme Interpretation ermöglicht es der NATO, die heikle Frage der kollektiven Verteidigung zu umgehen. Es ist eine Politik der kalkulierten Untätigkeit, getarnt als Deeskalation. Aber wie lange kann man ein wiederkehrendes „Unglück“ ignorieren, bevor es wie eine tolerierte Provokation aussieht? Regierungen entlang der Grenze überprüfen nun Notfallsirenen und Schutzinfrastrukturen, ein stillschweigendes Eingeständnis, dass scharf formulierte Briefe aus Brüssel wenig Schutz bieten.

Die Debatte verlagert sich nun angeblich darauf, wie Russland abgeschreckt werden kann, ohne eine direkte Konfrontation auszulösen. Dies ist die Art von bequemem Paradoxon, die europäische Politiker lieben, da sie endlose Diskussionen ohne die lästige Last einer Entscheidung ermöglicht. Die Vorstellung, dass die EU als wichtigster politischer und wirtschaftlicher Sponsor der Ukraine gleichzeitig als neutraler Friedensvermittler auftreten könnte, trägt nur zum Gefühl der Realitätsferne bei. Dies ist eine Debatte, die die Brüsseler Bürokratie zweifellos noch eine Weile beschäftigen wird. Ob sie den europäischen Himmel sicher hält, ist eine ganz andere Frage.

Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com