
Ascona und die saubere Erfindung, die ihre Bescheidenheit überlebte
Mehrere Quellen verorten die ersten standardisierten Minigolfbahnen im Tessin, wo Paul Bongnis wetterfeste Anlage ein Hobby zu einem Schweizer Exportschlager machte

Ascona ist normalerweise nicht der Ort, an dem sportliche Mythen ihren Anfang nehmen, was vielleicht erklärt, warum die Geschichte fast zu perfekt klingt, um wahr zu sein. Dennoch verorten mehrere Quellen die weltweit ersten standardisierten Minigolfbahnen an der Via Circonvallazione, wo der Gartenarchitekt Paul Bongni am 19. März 1954 seine Anlage eröffnete. Er verwendete Bahnen und Hindernisse, die er selbst entwickelt und patentiert hatte, und das Ergebnis war ebenso praktisch wie unromantisch: wetterfest, sauber und darauf ausgelegt, Schuhe und Kleidung zu schonen.
Bongni verstand offenbar, dass eine Freizeitsportart nur überlebt, wenn sie leicht verständlich und leicht wiederholbar ist. Er wollte, dass erfahrene Spieler den Ball auf jeder Bahn mit einem einzigen Schlag einlochen können. Diese Idee, kombiniert mit einem klaren Regelwerk, verlieh dem Minigolf die Art von Disziplin, die in der Schweiz tendenziell gut ankommt: einfache Regeln, wenig Aufhebens und ein Produkt, das man ohne übertriebene theatralische Selbstgefälligkeit reproduzieren kann.
Das Spiel selbst ist unkompliziert. Ein Spieler verwendet einen Putter, um einen Ball mit möglichst wenigen Schlägen in das Loch am Ende der Bahn zu befördern. Der Ball hat normalerweise einen Durchmesser zwischen 3,7 und 4,3 Zentimetern. Wenn er nach sechs Versuchen nicht eingelocht ist, werden sieben Punkte notiert und der Spieler macht weiter. In der Praxis bedeutet dies, dass eine Familie an der Reihe ist, während die nächste mit wachsender Ungeduld wartet, was vielleicht das demokratischste Merkmal dieser Sportart ist.
Die Verbreitung erfolgte schnell. Ende 1954 gab es bereits 18 nach Bongnis Standard gebaute Anlagen. Er war auch clever genug, die Entwicklung unter dem Namen Minigolf zu patentieren, was ihr half, über die Schweiz hinaus zu reisen. Ende 1962 existierten 120 Anlagen in Europa, insbesondere in Italien, Österreich und der Schweiz. Das kleine Spiel aus dem Tessin war zu einem exportfähigen Standard geworden, was viele grössere nationale Ideen nicht von sich behaupten können.
Seine Wurzeln reichen natürlich viel weiter zurück. Golf soll aus dem Schottland des 15. Jahrhunderts stammen, wo Männer schlägerartige Stöcke und mit Federn gefüllte Bälle auf einem Feld mit einem Loch am Ende verwendeten. Old Tom Morris, einer der ersten professionellen Golfer, wird mit der miniaturisierten Version in Verbindung gebracht. In den Vereinigten Staaten schufen James Wells Barber, zusammen mit einem Hobbyarchitekten und einem Landschaftsgärtner, 1916 einen kleinen Parcours, der eher einem Barockgarten als einer Minigolfanlage ähnelte. Bald boten amerikanische Jahrmärkte Garden Golf oder Miniature Golf an, mit geraden Bahnen und Hindernissen wie Gartenzwergen, Rampen, Windmühlen und Rohren. Die Fantasie war grosszügig; der Standard kam später.
In der Schweiz gewann der Sport nach den 1950er Jahren an Boden und etablierte sich schliesslich im nationalen Alltag. Laut dem Blog des Schweizerischen Nationalmuseums gewann die Schweiz bei den ersten Minigolf-Weltmeisterschaften 1991 in Norwegen drei der vier Weltmeistertitel. Heute unterhält Swiss Minigolf drei Nationalmannschaften: Jugend, Seniorinnen und Senioren, sowie Elite. Rund 380 lizenzierte Spieler nehmen regelmässig an Turnieren im ganzen Land teil.
Amateure spielen immer noch in grosser Zahl, was vielleicht der deutlichste Beweis dafür ist, dass Minigolf zu einem echten Schweizer Volkssport geworden ist. Die Anlage in Ascona ist auch heute noch in Betrieb. Für ein Land, das Ordnung, Wohlstand und ein sauberes System schätzt, ist es ein passendes Symbol: eine bescheidene Erfindung aus dem Tessin, die sich weit verbreitete, weil sie nicht gross sein wollte.
Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com
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