Wenn Kulturerbe im trockenen Sommer der Dampf ausgeht

Die Sursee-Triengen-Bahn musste ihre Lokomotive abstellen, nachdem die Trockenheit eine nostalgische Fahrt in ein Brandrisiko verwandelt hatte.

When heritage runs out of steam in a dry summer

Eine Dampflokomotive ist charmant, bis die Landschaft um sie herum wie ein Haufen Streichhölzer aussieht. Im luzernischen Surental ist dies die unangenehme Realität für die Sursee-Triengen-Bahn, die ihre Dampflokomotive im Depot gelassen hat, weil Hitze, Dürre und Wind das Brandrisiko zu weit getrieben haben.

Die Linie verkehrt seit 1912 durch das Tal und wurde nie elektrifiziert, was sie einst zu einem hübschen Relikt machte und den Betrieb heute komplizierter gestaltet. Auf der etwa neun Kilometer langen Strecke bietet das Unternehmen normalerweise eine historische Dampffahrt pro Monat im Sommer an. Diesmal wurde die Sonntagsfahrt abgesagt. Matthias Emmenegger, der Geschäftsführer, sagte, das Brandrisiko sei einfach zu hoch.

Die Sorge ist nicht theoretisch, und hier trifft Nostalgie auf Physik. Eine Dampflokomotive kann an zwei Stellen Glut freisetzen: am Schornstein, wo selbst ein Funkenfänger glühende Partikel im Abgas nicht vollständig ausschließen kann, und im Feuerraum selbst, wo Kohle auf einem Rost mit durchströmender Luft verbrennt. Unter den derzeitigen Bedingungen könnte selbst die kleinste Glut eine trockene Wiese oder ein Kornfeld entzünden. Kulturerbe ist gut und schön, aber nicht, wenn es mit Brandstiftung einhergeht.

Der Kanton Luzern hat seit dem 25. Juni ein absolutes Feuerverbot in und in der Nähe von Wäldern in Kraft. Das Verbot gilt laut Kanton auch am Nationalfeiertag. In der Zentralschweiz war Uri bisher der einzige weitere Kanton, der ein Feuerwerksverbot für den 1. August verhängt hat. Die Region ist mit anderen Worten von einem Postkartensommer zu administrativer Vorsicht übergegangen.

Die Sursee-Triengen-Bahn ist nicht allein in dieser misslichen Lage. Die Rigi Bahnen AG hat die drei für nächste Woche geplanten Fahrten mit ihrer Zahnrad-Dampflokomotive von Goldau auf die Rigi abgesagt. Auch die Brünig-Dampfbahn bleibt am Sonntag zwischen Interlaken Ost und Giswil stillstehen. Auf der Furka-Bergstrecke verkehrt der Dampf noch zwischen Realp im Uri und Gletsch im Wallis, doch von Gletsch nach Oberwald hat wegen der Waldbrandgefahr eine Diesellokomotive übernommen. Der Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland setzte unterdessen letzten Sonntag einen historischen Elektrozug anstelle von Dampf ein.

Für die Sursee-Triengen-Bahn gibt es keinen einfachen Ersatz. Die Strecke ist nicht elektrifiziert, und eine Diesellokomotive für seltene Notfälle bereitzuhalten, wäre teuer und aus Sicht des Unternehmens kaum lohnenswert. Emmenegger sagt, es mache keinen Sinn, die Sache zu erzwingen. Das ist ein ziemlich nüchternes Urteil in einem Land, das seine Traditionen am liebsten hat, wenn sie ohne grosse Unannehmlichkeiten bewahrt werden können.

Die interessantere Frage ist, was als Nächstes kommt. Die Betreiber prüfen nun, ob die Dampffahrten im Juni und Juli in den Frühling und Spätherbst verlegt werden sollten. Die nächste Dampffahrt ist für Ende August geplant, und bis zu 300 Eisenbahnenthusiasten kaufen normalerweise Tickets. Sie werden das Datum bereits vorgemerkt haben. Das Wetter ist natürlich nicht verpflichtet, mitzuspielen.

Verfasst von Sandy van Dongen

sandy.vandongen@alpineweekly.com