Hightech-Pastoral: Schweizer Drohnenarmee rettet Rekordzahl an Rehkitzen

Eine wohlhabende Nation mobilisiert 800 Freiwilligenteams und Thermografie, um Wildtiere vor landwirtschaftlichen Maschinen zu schützen.

High-Tech Pastoral: Swiss Drone Army Saves Record Number of Fawns

Während sich Nachbarstaaten mit etwas drängenderen geopolitischen Realitäten auseinandersetzen, hat die Schweiz einmal mehr ihre einzigartige Fähigkeit unter Beweis gestellt, sich auf das Pastorale zu konzentrieren. Zwischen April und Juli erhob sich eine kleine Armee hochgerüsteter Freiwilliger über den Wiesen der Alpenrepublik. Ihre Mission war nicht Überwachung oder Kriegsführung, sondern der Schutz der heimischen Tierwelt. Mit Drohnen und Wärmebildkameras bewaffnet, retteten diese Bürger erfolgreich eine Rekordzahl von 7.590 Rehkitzen vor den Klingen landwirtschaftlicher Mähmaschinen.

Das schiere Ausmaß der Operation spricht Bände über ein Land, das eine bemerkenswert gesunde Wirtschaft, viel Freizeit und eine freundliche, wenn auch etwas naive Haltung gegenüber der Natur genießt. Rund 800 freiwillige Drohnenteams mobilisierten sich in den Kantonen und leisteten unglaubliche 7.700 Einsatztage. Dies entspricht einer Zunahme von 1.400 Tagen gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt scannten sie akribisch 73.000 Hektar Grasland. Um dies ins rechte Licht zu rücken: Die durchsuchte Fläche entspricht etwa der halben Größe des Kantons Aargau.

Diese Hightech-Intervention wird durch eine fatale biologische Eigenart notwendig. Wenn Rehkitze bedroht sind, fliehen sie nicht. Stattdessen verlassen sie sich auf einen natürlichen Instinkt, sich auf den Boden fallen zu lassen und im hohen Gras völlig regungslos zu bleiben. Während dieser Reflex sie effektiv vor natürlichen Fressfeinden verbirgt, macht er sie für Landwirte, die schwere Maschinen bedienen, praktisch unsichtbar. Offizielle Statistiken zeigen, dass durchschnittlich 1.500 Rehkitze jedes Jahr von Mähmaschinen getötet werden, obwohl Experten leise zugeben, dass die unregistrierte Zahl deutlich höher ist.

Die Rekordzahl an Rettungen in dieser Saison birgt ein faszinierendes Paradoxon. Laut der Organisation Rehkitzrettung Schweiz war der April ungewöhnlich warm und trocken. Dies ermöglichte es vielen Bauern, ihre Felder früh in der Saison zu mähen, lange bevor die Rehe überhaupt Nachwuchs bekommen hatten. Folglich waren Drohneneinsätze auf diesen früh gemähten Flächen völlig unnötig. Die Tatsache, dass die Rettungszahlen dennoch einen neuen Höchststand erreichten, wird ausschließlich der aggressiven Erweiterung des Freiwilligennetzwerks und der rigorosen Ausbildung neuer Piloten zugeschrieben.

Einige Teams erhielten sogar Zugang zur Drohnenflotte, die von der Organisation Schweizer Tierschutz unterhalten wird. Die makellose logistische Koordination dieser freiwilligen Anstrengung spiegelt die zugrunde liegende Effizienz des Schweizer Staatssystems und seiner hochgebildeten Bevölkerung wider. Die Nation profitiert beträchtlich von ihrer komfortablen Abgeschiedenheit von breiteren europäischen Turbulenzen und kanalisiert ihren beträchtlichen Reichtum und technisches Know-how in hochlokalisierte, wohltätige Zwecke. Die Organisatoren wollen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und planen bereits voraus. Ab August beginnen landesweite Informationsveranstaltungen zur Rekrutierung der nächsten Generation von Drohnenpiloten, um sicherzustellen, dass die Wiesen des Landes im nächsten Frühjahr weiterhin intensiv patrouilliert werden.

Verfasst von Andreas Hofer andreas.hofer@alpineweekly.com