
Höhenfehler und institutionelle Nachsicht
Ein Jahrzehnt nach einem tödlichen F/A-18-Absturz am Sustenpass bieten aktualisierte Handbücher und technische Korrekturen die Illusion vollständiger Sicherheit.

An einem späten Augustnachmittag im Jahr 2016 hoben zwei Schweizer F/A-18 Kampfflugzeuge im Abstand von nur fünfzehn Sekunden vom Militärflugplatz Meiringen ab, bei miserabler Sicht in den Bergen. Weniger als eine Minute später wurde eines von ihnen zerstört, nachdem es elf Meter unterhalb des Grats in die Westflanke des Hinter Tierbergs geprallt war. Der Pilot war sofort tot. Zehn Jahre später gilt das Unglück als der letzte tödliche Jet-Unfall der Schweizer Luftwaffe – eine düstere Fallstudie darüber, was passiert, wenn veraltete Technologie auf menschliche Fehler in engem alpinem Luftraum trifft.
Die Mechanismen des Absturzes waren so kurz wie verheerend. Da er keine Radarerfassung seines Führungsflugzeugs herstellen konnte, suchte der nachfolgende Pilot Anweisungen vom Fluglotsen in Meiringen. Die Anweisung lautete, auf 10.000 Fuss zu steigen – eine für die umgebenden Gipfelhöhen gefährlich niedrige Höhe. Obwohl der Fluglotse seinen Fehler wenige Augenblicke später erkannte, war es bereits zu spät: Der Pilot hatte seine Funkfrequenz bereits auf die Kontrollzentrale Dübendorf umgestellt. Achtundfünfzig Sekunden nach dem letzten Funkkontakt prallte der Jet gegen den Berg.
Die rechtliche Aufarbeitung dauerte fast ein Jahrzehnt. Im März 2025 verurteilte ein Gericht zweiter Instanz den Fluglotsen wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe, während der Führungsflugzeugpilot freigesprochen wurde. Dennoch behielt Skyguide den verurteilten Mitarbeiter und schulte ihn für die zivile Flugsicherung um. Der Navigationsdienst verteidigte die Entscheidung und stellte fest, dass Skyguide die Wiederaufnahme seiner Funktion als Fluglotse unterstützt, da er gemäss Gerichtsurteil weder vorsätzlich noch grob fahrlässig gehandelt hat.
Wie Luftfahrtexperten betonten, lässt sich die Tragödie nicht auf eine einzige Fehlentscheidung reduzieren. Es war eine klassische Kette von Systemmängeln: veraltete Radargeräte in Meiringen, eine fehlgeschlagene Radarverbindung zwischen den beiden Jets und ein Pilot, der nicht erkannte, dass er weit unter sicheren Freigabehöhen flog.
Im Anschluss überarbeiteten sowohl Skyguide als auch die Schweizer Luftwaffe ihre Operationen. Die veralteten Radar- und Telefonsysteme in Meiringen wurden endlich ersetzt. Die Startintervalle zwischen den abfliegenden Jets wurden verlängert, die Telefonkommunikationsverfahren optimiert und gemeinsame Workshops zwischen zivilen Fluglotsen und Militärpiloten eingerichtet. Die Luftwaffe überarbeitete ausserdem Notfallprotokolle für verlorene Funkverbindungen, um Höhenüberschreitungen zu vermeiden, führte neue Flugprofilgrafiken ein und etablierte regelmässiges Starttraining ab Meiringen.
Administrative und technische Aktualisierungen folgen unweigerlich solchen Katastrophen. Doch wie Militärpiloten wissen, kann keine noch so grosse Anzahl neu geschriebener Richtlinien das Restrisiko des Fliegens schneller Jets durch steile Berge jemals vollständig eliminieren.
Verfasst von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com
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