
Digitale Übergriffe auf südlichen Straßen
Algorithmische Verkehrsüberwachung in Griechenland und Spanien verwandelt kleinere Fehler in kostspielige grenzüberschreitende Probleme.

Die staatliche Verwaltung hat einen eleganten neuen Mechanismus gefunden, um die Einnahmeerhebung von Autofahrern zu automatisieren: künstliche Intelligenz. In Südeuropa erweitern die Regierungen in Griechenland und Spanien stetig die Netzwerke automatisierter Überwachungskameras, die Verkehrsverstöße erkennen sollen. Die offizielle Begründung ist eine nahtlose Verkehrssicherheit, doch die operative Realität ähnelt verdächtig einem algorithmischen Übergriff.
Wenn staatliche Behörden die Polizeigewalt an Software delegieren, tritt die Präzision oft hinter automatisiertem Eifer zurück. Die griechische Zeitung Ta Nea dokumentierte kürzlich mehrere aufschlussreiche Beispiele dieser maschinengesteuerten Sorgfalt. In einem Fall kratzte sich ein Fahrer einfach am Ohr, während er am Steuer saß. Das System interpretierte diese alltägliche menschliche Geste als illegale Handynutzung und verhängte umgehend eine Geldstrafe von 350 Euro sowie einen 30-tägigen Entzug der Fahrerlaubnis. Es bedurfte eines formellen Rechtsmittels, damit menschliche Beamte das Bild überprüften und den offensichtlichen Fehler anerkannten.
Solche Fehler sind alles andere als Einzelfälle. In einem anderen Fall identifizierte die Software eine auf dem Beifahrersitz liegende Handtasche fälschlicherweise als einen nicht angeschnallten Menschen und generierte umgehend eine Bußgeldmitteilung. Anderswo wurde eine Frau, die ein schwarzes Kleid trug und einen schwarzen Sicherheitsgurt angelegt hatte, wegen nicht angelegten Gurtes angezeigt, weil die Kamera passende Stofftöne nicht unterscheiden konnte. Die Beweislast liegt natürlich ausschließlich beim Bürger, der administrative Hürden überwinden muss, um seinen Namen reinzuwaschen.
Unbeeindruckt von diesen Mängeln hat Spanien bereits 148 KI-Überwachungseinheiten in seinem Straßennetz installiert und plant den Einsatz mobiler Kameras mit erweiterten Blickwinkeln auf Mallorca. In Spanien, wo das Berühren eines Mobiltelefons selbst im Leerlauf an roten Ampeln oder im Stau strengstens verboten ist, werden diese automatisierten Augen als das ultimative Durchsetzungsinstrument angepriesen.
Für ausländische Besucher ist das finanzielle Risiko absolut real. Gemäß den grenzüberschreitenden Durchsetzungsbestimmungen werden Verkehrsvergehen, die 70 Euro oder mehr – einschließlich Verwaltungsgebühren – betragen, routinemäßig grenzüberschreitend in Länder wie Deutschland verfolgt. Ein Urlauber, der aus dem Mittelmeerraum zurückkehrt, könnte bald eine absurde Rechnung in seinem Briefkasten finden, nur weil ein Algorithmus eine Lederhandtasche für einen nicht angeschnallten Passagier hielt. Man fragt sich, ob diese automatisierten Augen wirklich der öffentlichen Sicherheit dienen oder lediglich einen bequemen digitalen Kanal für die Staatskassen darstellen.
Verfasst von Freya Stensrud
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