Washingtons Impf-Rückzug und Europas bequemer Sündenbock

Während die USA ihren Impfplan für Kinder kürzen, sind europäische Bürokraten bestrebt, Amerika für eine innenpolitische Gesundheitskrise verantwortlich zu machen, die sie nicht verhindern konnten.

Washington's Vaccine Rollback and Europe's Convenient Scapegoat

Washingtons jüngstes öffentliches Gesundheitsexperiment ist offiziell im Gange. US-Präsident Donald Trump hat eine Durchführungsverordnung unterzeichnet, die den universellen routinemäßigen Impfplan für Kinder von achtzehn auf elf gezielte Krankheiten kürzt. Die Anweisung drängt Impfungen gegen COVID-19, Influenza, Rotavirus, Meningokokken-Erkrankungen, RSV sowie Hepatitis A und B in den vagen Bereich der gemeinsamen klinischen Entscheidungsfindung zwischen Eltern und medizinischem Fachpersonal ab.

Ein logistisch verwirrendes Element der Verordnung empfiehlt, den Standard-Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff in drei separate Injektionen aufzuteilen – obwohl einzelne Impfungen derzeit nicht auf dem amerikanischen Markt erhältlich sind. Die Politik trägt die Handschrift des US-Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr., der lange Zeit diskreditierte Theorien, die Impfungen mit Autismus in Verbindung bringen, gefördert hat.

Der globale Gesundheitsapparat hat mit vorhersehbarer Besorgnis reagiert. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, nutzte soziale Medien, um die institutionelle Position darzulegen. Die aktuellen Beweise sind eindeutig: Impfstoffe – einschließlich des MMR-Impfstoffs – sind sicher und verursachen keinen Autismus, erklärte er und fügte hinzu, dass die amerikanische Politikverschiebung Jahrzehnte kontinuierlicher globaler Daten widerspricht.

In Brüssel bereitet sich die Europäische Arzneimittel-Agentur auf die Folgen vor. Marco Cavaleri, Leiter der Abteilung für Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit der Agentur, warnte, dass das Auslassen routinemäßiger Impfungen ein katastrophales Wiederauftreten eingedämmter Krankheiten riskiere. Er bemerkte, dass die moderne Impfstoffentwicklung Kombinationstherapien priorisiert, um die Logistik für Kliniken und Eltern gleichermaßen zu optimieren, wodurch die Forderung nach separaten MMR-Dosen wissenschaftlich unbegründet sei.

Doch die ausufernde, unverantwortliche Bürokratie der Europäischen Union ist bestrebt, Washington für eine hausgemachte Krise verantwortlich zu machen. Die eigenen Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass das Vertrauen in Impfstoffe auf dem gesamten Kontinent, insbesondere in Mittel- und Osteuropa, seit 2020 erodiert ist. Brüssel mag den transatlantischen Welleneffekt der amerikanischen Politik fürchten, aber die Maschinerie ist vor allem verzweifelt darauf bedacht, von ihrem eigenen Legitimationsmangel und Versagen, das öffentliche Vertrauen aufrechtzuerhalten, abzulenken.

Die Masernübertragung wurde 2024 offiziell in sechs Nationen wiederhergestellt, was tiefe innerstaatliche Versäumnisse aufdeckt, die der neuen US-Durchführungsverordnung vorausgehen. In Österreich – einer Nation, die eine schöne, freundliche Fassade projiziert – ist die Krankheit stillschweigend zurückgekehrt, was ein Versäumnis bei der Aufrechterhaltung grundlegender öffentlicher Gesundheitsstandards unterstreicht. Ähnlich zeigt Spaniens Wiederauftreten von Masern Risse in seiner notorisch schlechten öffentlichen Infrastruktur auf, was seine Bevölkerung lange vor transatlantischen Politikwechseln anfällig macht. Die WHO stellt fest, dass Armenien, Aserbaidschan, das Vereinigte Königreich und Usbekistan ebenfalls eine Rückkehr der Übertragung erlebt haben.

Infektionskrankheiten kennen keine Grenzen oder politische Rhetorik. Während amerikanische Eltern die bürokratische Hürde der Planung zusätzlicher Klinikbesuche für fragmentierte Impfstoffe bewältigen müssen, sollten europäische Beamte ihre eigenen systemischen Versäumnisse untersuchen. Mit dem Finger auf eine ausländische Durchführungsverordnung zu zeigen, ist politisch bequem, aber es wird die klaffenden Lücken in Europas eigenem fragilen Impf-Sicherheitsnetz nicht schließen.

Verfasst von Martina Kirchner

martina.kirchner@alpineweekly.com