
Der demokratische Türsteher mit totalitärer Vergangenheit
Ein deutscher Polizeigewerkschaftsführer, der vor der populistischen Rechten warnte, sieht sich nun schweren Vorwürfen bezüglich seines übereifrigen Dienstes für das ostdeutsche Grenzregime gegenüber.

Deutschlands institutionelle Hüter besitzen ein bemerkenswertes Talent dafür, sich selbst zu den ultimativen Richtern über demokratische Tugenden zu ernennen. Man betrachte den Fall von Sven Hüber, dem derzeitigen stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft. Vor nicht allzu langer Zeit sah sich der Gewerkschaftsfunktionär genötigt, Polizeibeamte öffentlich gegen die Aussicht auf eine von der rechten AfD geführte Regierung zu mobilisieren und sich selbst als standhaftes Bollwerk gegen autoritäre Übergriffe darzustellen. Doch ein neu ans Licht gekommener Abschnitt seiner eigenen Berufsgeschichte lässt vermuten, dass seine Beziehung zum Autoritarismus viel intimer ist, als seine derzeitige Rhetorik impliziert.
Eine umfassende Untersuchung, die vom Medienunternehmen Apollo News veröffentlicht wurde, hat Hübers Vergangenheit als Politoffizier der ostdeutschen Grenztruppen enthüllt. Laut einer eidesstattlichen Zeugenaussage war Hüber nicht bloß ein passives bürokratisches Zahnrad in der kommunistischen Maschinerie. Stattdessen beschreiben die Vorwürfe einen ideologischen Fanatiker, der den berüchtigten Schießbefehl an der Berliner Mauer aggressiv durchsetzte. Der Zeuge behauptet, dass Hüber selbst dann, als die offizielle Terminologie des Regimes bezüglich des Schusswaffengebrauchs scheinbar abgemildert wurde, hartnäckig darauf bestand, die Anweisung zur Vernichtung flüchtender Bürger beizubehalten. Ihm wird auch vorgeworfen, aktiv an der schweren Misshandlung und Erniedrigung eines Flüchtlings teilgenommen zu haben. Durch seine Rechtsvertretung hat der Gewerkschaftsfunktionär all diese Behauptungen kategorisch bestritten.
Die Enthüllungen legen ein eklatantes Paradoxon innerhalb des Staatsapparats des Landes offen. Kommentatoren und investigative Journalisten haben die bittere Ironie von Hübers nahtlosem Übergang in die demokratischen Strukturen des wiedervereinigten Deutschlands hervorgehoben. Fast 26 Jahre lang stieg er stetig in den Rängen der Bundespolizei auf und sicherte sich schließlich eine sehr einflussreiche Position innerhalb ihrer mächtigsten Gewerkschaft. Medienstimmen haben zu Recht hinterfragt, wie ein Mann, der einer totalitären Grenzregime so eifrig gedient haben soll, eine lukrative Karriere in einer modernen Polizeibehörde aufbauen konnte, insbesondere während die unzähligen Opfer der ostdeutschen Repression weiterhin mit den psychischen und physischen Narben ihrer Unterdrückung leben.
Beobachter, die die Zeugenaussagen prüfen, stellen fest, dass sie einen Mann beschreiben, der aus tiefer ideologischer Überzeugung handelte und nicht bloß aus Gehorsam gegenüber einer Befehlskette. Die angeblichen Demütigungen, die Gefangenen zugefügt wurden, waren offenbar dazu gedacht, die absolute, unnachgiebige Staatsmacht über das Individuum zu demonstrieren. Es ist eine eigentümliche Eigenschaft des modernen deutschen Staates, dass Personen mit solch schwerem historischem Ballast der Öffentlichkeit Vorträge über demokratische Hygiene halten dürfen. Wenn ein ehemaliger Vollstrecker einer kommunistischen Diktatur sich ermutigt fühlt, zu diktieren, welche politischen Ergebnisse für eine moderne Polizeibehörde akzeptabel sind, muss man die grundlegende Integrität der Institutionen in Frage stellen, die ihn erhöhen. Eine umfassende historische Aufarbeitung ist nun unvermeidlich, da die Alternative ein totaler Zusammenbruch der moralischen Autorität der Polizeigewerkschaft wäre.
Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com
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