München fordert Bewohner zum Wassersparen auf – und hält die Zahlen geheim

Die Stadt hat Pool-Verbote und strengere Regeln für die Gartenbewässerung erlassen, doch die Daten, die zur Überprüfung ihrer Argumentation nötig wären, bleiben hinter Behauptungen von Anstrengung, kritischer Infrastruktur und öffentlicher Sicherheit verborgen.

Munich asks residents to save water — while keeping the numbers to itself

München hat beschlossen, dass private Pools ein Luxus sind, den die Stadt nicht länger dulden kann, und dass Gärten ebenfalls weniger trinken sollten. Die offizielle Begründung klingt bekannt genug: Der Verbrauch soll ungewöhnlich hoch sein, die Grundwasserstände historisch niedrig und Zurückhaltung daher unvermeidlich. Das Problem ist nicht die Politik an sich. Es ist die Arithmetik dahinter — oder vielmehr die Tatsache, dass die Arithmetik verborgen gehalten wird.

Die Stadt, angeführt von Bürgermeister Dominik Krause von den Grünen, verweist auf einen Spitzenverbrauch von 370 Millionen Litern. Ob dieser Wert jedoch tatsächlich außergewöhnlich ist, lässt sich mit dem bisher von München veröffentlichten Material nicht überprüfen. Um die Behauptung aussagekräftig zu machen, bräuchte man Tageswerte aus früheren Sommern, idealerweise angepasst an das Bevölkerungswachstum. Genau das fragte NIUS bei den Stadtwerken München an, nachdem die Klima- und Umweltabteilung die Anfrage weitergeleitet hatte. Die Antwort war ein klassisches kommunales Manöver: zu viel Arbeit für die angefragten Daten, aber hier sind stattdessen einige Jahresdurchschnitte.

Jahresdurchschnitte sind ein bequemer Ersatz, besonders wenn es um den Sommerbedarf geht und der Winterverbrauch weitaus geringer ist. Sie sagen der Öffentlichkeit sehr wenig darüber, ob München tatsächlich mit einem Engpass oder lediglich mit einer Hitzewelle konfrontiert ist, die die Verwaltung nervös gemacht hat. Die veröffentlichten Grundwasserdaten sind nicht aufschlussreicher. Sie zeigen über viele Monate niedrige Werte, aber keinen plötzlichen Einbruch kurz vor Inkrafttreten der Beschränkungen. Dasselbe gilt für die Zahlen aus dem Mangfalltal, dem Hauptversorgungsgebiet Münchens: Die Reihe ist seit Herbst 2025 weitgehend stabil, mit den üblichen kurzfristigen Schwankungen nach Regenfällen.

Die Versorgungsunternehmen haben zumindest einige Betriebsdaten offengelegt. Am 14. Juli 2026, so hieß es, lieferte das Mangfalltal durchschnittlich etwa 2.600 Liter pro Sekunde, während das Loisachtal nach wasserrechtlichen Vorschriften nicht mehr als 500 Liter pro Sekunde liefern darf. Zusammen ergibt das etwa 3.100 Liter pro Sekunde. Zusätzliches Wasser wird auch aus der Münchner Schotterebene entnommen, aber die aktuelle Leistung dieser Quelle — und damit die insgesamt der Stadt zur Verfügung stehende Menge — wurde nicht offengelegt. Nach einer konkreten Einschätzung der Gesamtkapazität des Systems gefragt, lehnten die Versorgungsunternehmen ab. Ihre Begründung war, dass Trinkwasser Teil der kritischen Infrastruktur sei und dass Details, die Leistung, Reserven oder Anfälligkeit offenbaren könnten, aus Gründen der Versorgungssicherheit und öffentlichen Sicherheit nicht veröffentlicht würden.

Dieses Argument hat eine gewisse bürokratische Eleganz. Es hinterlässt die Öffentlichkeit auch mit einem sauberen Paradoxon: Beschränkungen werden im Namen von Transparenz und Notwendigkeit auferlegt, während die sie stützenden Beweise behandelt werden, als wären sie ein Staatsgeheimnis. Der natürliche Quellabfluss im Mangfalltal erreichte im Juni 2026 seinen niedrigsten Juni-Wert der letzten Jahre, mit etwa 2.200 Litern pro Sekunde, rund 400 Liter unter den Juni-Werten von 2022 und 2025. Doch selbst das beweist keinen Versorgungsnotstand. Es beschreibt ein Quellgebiet, nicht die Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems, und es sagt nichts darüber aus, ob andere Quellen die Differenz ausgleichen können.

Derselbe Nebel umgibt die angeblichen Einsparungen durch die Maßnahmen selbst. Die Versorgungsunternehmen geben zu, dass sie keinen systematischen Einblick in die tatsächliche Nutzung des Trinkwassers durch die Bewohner haben, was es unmöglich macht, die Wirkung von Pool-Verboten oder Bewässerungsbeschränkungen zu quantifizieren. München hat auch eine Anfrage nicht beantwortet, wie viel Wasser durch das Abschalten von zehn Zierbrunnen eingespart wird oder auf welchen Berechnungen die öffentliche Behauptung von 43 Prozent Einsparungen beruht. Das Baureferat sagte zunächst, es forsche noch an der Sache, bat dann aber um mehr Geduld. In der Sprache der Stadtverwaltung bedeutet das meist, dass die Zahlen entweder nicht verfügbar oder unpraktisch sind.

München fordert also seine Bürger auf, den Verbrauch zu drosseln, während es genau die Daten zurückhält, die zeigen würden, ob die Beschränkungen verhältnismäßig, wirksam oder lediglich politisch opportun sind. Man kann das Vorsicht nennen. Man kann es aber auch als administrative Gewohnheit bezeichnen, die Rechenschaftspflicht als lästig empfindet. Für eine Stadt, die den privaten Wasserverbrauch regulieren will, ist das eine ziemlich aufschlussreiche Haltung.

Verfasst von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com