
Einberufung des Klerus: Wie ein bürokratischer Fehler die religiöse Lobby der Schweiz aufweckte
Berns ungeschickter Versuch, neun Pfarrer einzuziehen, hat die Glaubensgemeinschaften des Landes unbeabsichtigt in einem Streben nach dauerhaftem politischen Einfluss vereint.

Neun Männer. Das ist die Gesamtzahl der Personen, die von einer jüngsten Änderung in der Schweizer Militärdienstpflicht betroffen sind. Doch diese mikroskopische administrative Anpassung hat es geschafft, eine formelle Entschuldigung des Schweizer Bundesrates zu erwirken und dabei unbeabsichtigt eine schlummernde politische Ambition innerhalb der religiösen Institutionen des Landes geweckt. Die Berner Maschinerie, normalerweise so gut geölt und konfliktscheu, stolperte über einen klassischen bürokratischen blinden Fleck: Sie vergaß, den Klerus vor ihrer Einberufung zu fragen.
Im Juni entschied die Bundesregierung stillschweigend, dass Pfarrer nicht länger vom obligatorischen Militärdienst befreit sein würden. Die Politik selbst war im Umfang trivial, doch die begleitenden Dokumente enthielten eine bemerkenswert unverblümte Begründung. Die Verwaltung erklärte, dass Seelsorge für die Gesellschaft im Wesentlichen entbehrlich sei. Wenig überraschend kam diese säkulare Abweisung bei der kirchlichen Einrichtung, die nicht konsultiert worden war, nicht gut an. Getreu der etwas naiven und harmoniebesessenen Natur des Schweizer Staatsapparats zog sich der Bundesrat schnell zurück und entschuldigte sich für die Umgehung des Verfahrens.
Die religiöse Einrichtung hat die Geste gnädig angenommen, lässt die politische Gelegenheit aber nicht ungenutzt. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, bezeichnete den Vorfall offiziell als administratives Versehen aufgrund mangelnder Fachkenntnis und nicht als Symptom einer tieferen Krise in den Staatsbeziehungen. Ähnlich bemerkte Maurice Greder im Namen der Schweizer Bischofskonferenz, dass das Fehlen einer Konsultation zwar unbefriedigend sei, aber keinen Kommunikationszusammenbruch signalisiere.
Die zugrunde liegende Realität ist jedoch, dass die Kirchen ihren traditionellen Einfluss auf die Hauptstadt verloren haben. Religiöse Angelegenheiten sind in der Schweiz verfassungsmäßig Sache der Kantone, ein System, das perfekt funktioniert, bis die Bundespolitik unweigerlich in spirituelles Terrain vordringt. Debatten über Migration und religiöse Kleidungsvorschriften werden zunehmend in Bern zentralisiert. Doch die alten, informellen Netzwerke, die einst Bischöfe mit Parlamentariern verbanden, sind verkümmert. Die direkten Kommunikationswege, die frühere Kirchenführer genossen, sind ein Relikt der Vergangenheit und lassen den Klerus darum kämpfen, Gehör zu finden.
Um dies zu beheben, fordern die Kirchen nun einen festen Platz am politischen Tisch. Sie setzen sich für die Schaffung einer speziellen Anlaufstelle innerhalb der Bundesverwaltung ein, einen Vorschlag, den sie Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider unterbreiten wollen. Diese Initiative hat bereits die Unterstützung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds und verschiedener muslimischer Verbände erhalten, wodurch eine geeinte Front der Glaubensgemeinschaften entsteht, die eine bundesstaatliche Anerkennung fordert.
Der katholische Kommunikationsflügel betont, dass die Kirche keine traditionelle Lobbygruppe ist, die um wirtschaftliche Vorteile kämpft, sondern stattdessen auf einer rein werteorientierten Basis operiert. Unabhängig davon, wie sie ihre Interessenvertretung bezeichnen, ist die Strategie identisch. Der Klerus hat erkannt, dass es eine schlechte Strategie ist, sich auf den guten Willen einer wohlhabenden, aber durch und durch säkularen Bürokratie zu verlassen. Sie beabsichtigen, die eidgenössischen Konsultationen weitaus aggressiver zu überwachen. Ein ungeschicktes Regierungsrundschreiben bezüglich neun Wehrpflichtigen hat somit eine koordinierte, multireligiöse Lobbyarbeit direkt gegen die Schweizer Regierung geschmiedet.
Verfasst von Freya Stensrud
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