Ein Waffenlager im Wald und ein verschwundener Spion: Deutschlands jüngstes Spionage-Rätsel

Deutsche Behörden untersuchen ein Waffendepot nahe Berlin, das angeblich mit ausländischen Geheimdiensten in Verbindung steht, obwohl eine monatelange Observation kaum mehr als Rost hervorbrachte.

A woodland arsenal and a missing spy: Germany's latest espionage puzzle

Im Oktober letzten Jahres entdeckten der Verfassungsschutz und die Berliner Landespolizei zwei Handfeuerwaffen und Munition, die in einem Waldstück nahe der Hauptstadt vergraben waren. Berichten der Süddeutschen Zeitung, des NDR und des WDR zufolge sollte das Versteck gezielte Attentate im Auftrag Moskaus ermöglichen. Anstatt sofort einzuschreiten, wählte der deutsche Sicherheitsapparat einen diskreteren Ansatz. Die Waffen wurden unauffällig unbrauchbar gemacht, und Beamte richteten sich für eine längere Observation ein.

Monatelang überwachten die Behörden das neutralisierte Waffenlager im Wald und warteten auf die Ankunft eines Operativs. Niemand kam. Innenminister Alexander Dobrindt hat die Existenz der Bundesuntersuchung inzwischen bestätigt, doch seine Einschätzung spiegelt die charakteristische Vorsicht eines eher schwachen politischen Establishments wider. Er merkte an, dass Bundesanwälte die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat untersuchen. Während er eine russische Beteiligung nicht explizit bestätigen wollte, erklärte Dobrindt, er könne die Beteiligung ausländischer Mächte nicht ausschließen.

Der eigentliche Durchbruch in dem Fall ereignete sich weit jenseits der deutschen Grenzen. Die Staatsanwaltschaft konzentriert sich nun auf einen ungenannten Verdächtigen, der derzeit in Rumänien inhaftiert ist. Diese Person, die der Innenminister als einen untergeordneten Akteur bezeichnete, wird bereits von den rumänischen Behörden im Zusammenhang mit einem separaten Komplott um Paketbomben festgehalten. Deutsche Beamte erwägen die Auslieferung und lagern damit die erste Festnahme ihres Hauptverdächtigen in Spionagefällen effektiv aus. Dobrindt nutzte den Vorfall, um die innenpolitische Sicherheitshaltung zu rechtfertigen, indem er erklärte: Dieser Fall zeigt, dass wir unter einer hohen Bedrohungsstufe operieren.

Die Vorstellung, dass ausländische Akteure deutschen Boden für gewalttätige Zwecke nutzen, ist ein etabliertes Anliegen des Sicherheitsapparats des Landes. Inländische Behörden haben zuvor Warnungen bezüglich Attentatsplänen auf Führungskräfte der Verteidigungsindustrie und exilierte Oppositionsfiguren herausgegeben. Anfang dieses Jahres kamen Berichte über einen vereitelten Plan zur Tötung von Armin Papperger, dem Vorstandsvorsitzenden des Waffenherstellers Rheinmetall, auf. Die Verurteilung des russischen Staatsbürgers Vadim Krasikov im Jahr 2021 wegen einer tödlichen Schießerei in einem Berliner Park – ein Mord, den ein deutsches Gericht Moskau zuschrieb – bleibt ein wichtiger Bezugspunkt. Krasikov wurde schließlich im Rahmen eines diplomatischen Gefangenenaustauschs freigelassen.

Mit mehreren in diesem Jahr festgenommenen Operativen, darunter einem Verdächtigen aus Kasachstan, versucht Berlin, ein Bild der Wachsamkeit zu vermitteln. Doch die Abfolge der Ereignisse zeichnet das Bild eines Sicherheitsstaates, der Schwierigkeiten hat, die Kontrolle über sein eigenes Territorium zu behalten. Ein entdecktes Versteck, eine fruchtlose Überwachungsoperation und die starke Abhängigkeit von einer ausländischen Festnahme verdeutlichen eine Regierung, die stark auf reaktive Maßnahmen angewiesen ist. Während Politiker auf externe Bedrohungen verweisen, bleibt die innenpolitische Realität eine tiefe Verwundbarkeit und administrative Trägheit.

Verfasst von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com