Österreichische Gletscher zerfallen, während die Erwärmung den alpinen Eisverlust beschleunigt

Forschende warnen, dass steigende Temperaturen nicht nur Gletscher schrumpfen lassen, sondern auch einen strukturellen Kollaps in den österreichischen Alpen verursachen.

Gletscher in den österreichischen Alpen schwinden nicht mehr still und leise dahin; Expert:innen schlagen nun Alarm, dass viele von ihnen aufgrund steigender Temperaturen, die den Eisverlust in der gesamten Region beschleunigen, vollständig auseinanderzubrechen begonnen haben. Der jüngste Jahresbericht des Österreichischen Alpenvereins zeichnet ein ernüchterndes Bild: Die Gletscher hier schrumpfen in rasendem Tempo, nicht nur in ihrer Länge, sondern auch in Masse und Gesamtgröße. Wissenschaftler:innen, die diese Eisriesen verfolgen, sagen, dass die sich jetzt abzeichnenden Veränderungen dramatischer sind als alles, was sie zuvor aufgezeichnet haben, wobei einige Gletscher eine Phase des strukturellen Kollapses erreichen. Blickt man sich im alpinen Gelände um, so ist es inzwischen üblich, kahle Felsflächen zu entdecken, wo einst Eis haftete, herabstürzende Eiszungen und ganze Abschnitte, die sich vollständig ablösen. Die Zahlen sprechen für sich: Von 96 im letzten Jahr in Österreich überprüften Gletschern verloren 94 an Boden.

Das ist erschütternd. Einige Stellen waren besonders stark betroffen: Der Alpeiner Ferner in Tirol verzeichnete seinen drastischsten Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen und verlor über 114 Meter an Länge. Das Stubacher Sonnblickkees in Salzburg. Fast 104 Meter sind dort im gleichen Zeitraum ebenfalls verschwunden. Selbst die Pasterze, der größte Gletscher des Landes in Kärnten, schmilzt Jahr für Jahr weiter dahin.

Es besteht die ernsthafte Sorge unter den überwachenden Wissenschaftler:innen, dass sich sein unterer Abschnitt schließlich vollständig lösen könnte (was den einst zusammenhängenden Körper in zwei separate Platten spalten würde). Es klingt dramatisch, weil es so ist. Was steckt also hinter all diesem Umbruch? Forschende verweisen direkt auf die anhaltend wärmeren Bedingungen der letzten Jahre, ohne Beschönigung. Ihre jüngste Einschätzung beschreibt einen schneearmen Winter, gefolgt von einem Frühsommer, der Hitzerekorde brach; der Juni lag fast fünf Grad Celsius über dem saisonalen Durchschnitt.

Auch hochgelegene Wetterstationen spiegelten diesen Trend wider und verzeichneten Werte, die etwa zwei Grad über den langjährigen Normen lagen. Hier wird es noch komplizierter: Laut denjenigen, die diese Veränderungen beobachten, ist eine solch unnachgiebige Wärme besonders verheerend für die Alpengletscher. An diesem Punkt bewirken selbst kurze Kälteperioden kaum eine Delle; der Prozess scheint unaufhaltsam voranzuschreiten. Warum ist das hier so wichtig? Nun, dieser Winkel Europas ist einzigartig anfällig, wenn sich Klimamuster so verschieben; die Erwärmung löscht nicht nur jahrhundertealte Eisschichten aus, sondern verstärkt auch extreme Wetterumschwünge und bringt neue Umweltgefahren mit sich..

Wenn sich jeder Gletscher weiter zurückzieht oder gänzlich auseinanderbricht, verändert sich, nicht nur metaphorisch, sondern ganz wörtlich, die Form dieser Berge unter unseren Füßen. Und es gibt eine weitere Ebene: Forschende warnen, dass, wenn hochgelegene Infrastruktur durch instabiles, vom schmelzenden Eis zurückgelassenes Terrain freigelegt oder untergraben wird, immer neue Risiken für Gemeinden entstehen, die auf diese Räume angewiesen sind..

Verfasst von Andreas Hofer