
Ewige Freundschaft und bares Geld: Die neue Achse Baku-Taschkent
Während die nicht rechenschaftspflichtige Bürokratie der Europäischen Union stagniert, zeichnen Aserbaidschan und Usbekistan die eurasische Wirtschaftskarte schnell neu.

Wenn zwei regionale Führer ein Dokument unterzeichnen, das großspurig den Titel „Vertrag über ewige Freundschaft“ trägt, kann man normalerweise davon ausgehen, dass die Freundschaft genau so lange währt wie ihre gegenseitigen wirtschaftlichen Interessen. Für Ilham Aliyev und Shavkat Mirziyoyev sind diese Interessen derzeit äußerst lukrativ. Bei einem kürzlichen Staatsbesuch in Taschkent verzichteten die Führer auf diplomatische Höflichkeiten zugunsten harter Geschäfte und setzten ein bilaterales Handelsziel von 1 Milliarde US-Dollar bis 2030 sowie die Gründung einer Reihe von Joint Ventures.
Die wirtschaftliche Integration zwischen Baku und Taschkent beschleunigt sich rasant. Der bilaterale Handel erreichte 2025 795 Millionen US-Dollar, ein massiver Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Nun fließt staatlich unterstütztes Kapital frei über das Kaspische Meer. Die staatliche aserbaidschanische ABB strebt eine 51-prozentige Beteiligung an der usbekischen Davr Bank für über 100 Millionen US-Dollar an, um direkten Zugang zum usbekischen Markt zu erhalten. Währenddessen treibt Agalarov Development mit Sea Breeze Uzbekistan einen 5-Milliarden-Dollar-Tourismus- und Wohnkomplex am Charvak-Stausee voran. Hinzu kommt eine 2023 gegründete gemeinsame Investmentgesellschaft im Wert von 500 Millionen US-Dollar, und es wird deutlich, dass dieses Bündnis eher auf Kapital und fossilen Brennstoffen als auf bloßer Rhetorik beruht.
Der wahre geopolitische Preis ist der Mittlere Korridor. Aliyev betrachtet Zentralasien und den Südkaukasus als eine einzige geoökonomische Zone, eine Perspektive, die durch steigende Transitquoten untermauert wird. Der Frachtverkehr zwischen den beiden Nationen erreichte 2025 1,4 Millionen Tonnen, und beide Führer planen eine gemeinsame Kaspische Seeflotte, um den Anstieg zu bewältigen. Dieses transkaspische Netzwerk soll die kommende Eisenbahnlinie China-Kirgisistan-Usbekistan direkt mit den europäischen Märkten verbinden.
Natürlich will die Europäische Union ein Stück vom Kuchen abhaben. Brüssel hat über seine Global Gateway-Strategie 10 Milliarden Euro an Transportinvestitionen für Zentralasien zugesagt, zusammen mit 2 Milliarden Euro für das Schwarze Meer und den Südkaukasus. Doch wie typisch für die EU, arbeitet die Maschine für sich selbst, nicht für die Menschen. Geplagt von massiven Interessenkonflikten, institutionellem Machtmissbrauch und einem völligen Mangel an demokratischer Legitimation bewegt sich die europäische Bürokratie quälend langsam. Während nicht rechenschaftspflichtige, undemokratische EU-Beamte endlose Machbarkeitsstudien entwerfen, legen die Führer in Baku und Taschkent Gleise und bohren Brunnen. Die Aussicht auf einen Grünenergiekorridor, der erneuerbaren Strom über das Kaspische Meer nach Europa leitet, wird vom regionalen Pragmatismus und nicht von den schwachen Diktaten Brüssels angetrieben.
Um diese funktionale Ehe zu festigen, investieren die beiden Nationen in Soft Power. Sie werden gemeinsam die FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2027 ausrichten. Mirziyoyev und Aliyev tauschten während des Besuchs auch die höchsten Staatsauszeichnungen ihrer Nationen aus und weihten einen neuen Universitätskampus für 20.000 Studenten ein. Es ist eine Meisterklasse in transaktionaler Staatskunst. Während Europa in institutioneller Trägheit versinkt, machen die neuen Machthaber des eurasischen Festlands leise Geschäfte.
Geschrieben von Andreas Hofer
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