Die lukrative Logik weiblicher Exklusivität
Während traditionelle Herrenclubs die Integration begrüßen, setzen Schweizer Geschäftsfrauen verstärkt auf die Vorteile des Networking hinter verschlossenen Türen.

Rotary-, Kiwanis- und Lions-Clubs dienten lange Zeit als diskrete Motoren des beruflichen Aufstiegs. Über ein Jahrhundert lang agierten diese Organisationen als rein männliche Domänen, in denen bei Abendessen hinter verschlossenen Türen wirtschaftliches Kapital gehandelt wurde. Heute, dem modernen Egalitarismus folgend, haben die meisten dieser ehemaligen Herrenclubs ihre Mitgliederlisten geöffnet. Kurioserweise haben ihre weiblichen Gegenstücke einen anderen Weg gewählt. In der ganzen Schweiz – einer Nation, die sich durch eine gesunde Wirtschaft, hohe Bildungsstandards und eine eher bequeme Einhaltung traditioneller Gesellschaftsmodelle auszeichnet – verteidigen rein weibliche Netzwerke vehement ihre exklusiven Prinzipien.
Das Konzept für diese Organisationen wurde vor einem Jahrhundert entwickelt. Zonta entstand 1919 in New York, gegründet von einigen der ersten weiblichen Universitätsabsolventinnen, die feststellten, dass ihre akademischen Qualifikationen ihnen keine Gleichstellung mit männlichen Kollegen verschafften. Bis 1923 entstand die Zonta Foundation for Women, um weltweit wirtschaftliche Möglichkeiten zu finanzieren, und wuchs heute auf über tausend Sektionen an. Die 1991 gegründete Sektion Luzern-Land verbindet professionelles Networking mit Philanthropie. Die Vertreterin Bernadette Koch bemerkt, dass der Club seit seiner Gründung rund eine halbe Million Schweizer Franken angesammelt hat, wobei die Gelder lokalen Anliegen wie dem Luzerner Frauenhaus zugutekamen.
Während Zonta Karriereförderung mit Wohltätigkeit verbindet, verzichten andere Gruppen auf Philanthropie, um sich strikt auf den Handel zu konzentrieren. Das Women's Business Forum der Zentralschweiz (WIF), gegründet 1981, fungiert rein als Karrierebeschleuniger. Die Mitgliedschaft ist auf aktive Fachkräfte – Bankerinnen, Anwältinnen und Unternehmerinnen – beschränkt und endet mit dem Ruhestand. Die Organisation zählt derzeit rund 160 Mitglieder.
Co-Präsidentin Anduena Berisha vertritt die Ansicht, dass die Abwesenheit von Männern eine praktische Notwendigkeit und kein feindseliger Akt ist. Die Begründung basiert auf der Prämisse, dass weibliche Fachkräfte mit besonderen logistischen Hürden konfrontiert sind, insbesondere dem Konflikt zwischen Karriereambitionen und Kinderbetreuung. In einer prosperierenden Gesellschaft, in der Teilzeitarbeit überwiegend weiblich dominiert ist, ermöglichen diese exklusiven Räume den Mitgliedern, offen über die Erschöpfung zu sprechen, die das Balancieren von Unternehmensleistung und häuslichen Pflichten mit sich bringt.
Die Begründung dieser Netzwerke stützt sich stark auf das Konzept eines geschützten Umfelds. Koch weist darauf hin, dass Frauen, die reduzierte Arbeitszeiten haben, oft Schwierigkeiten haben, beruflichen Respekt zu erlangen, und eine zusätzliche Portion Mut benötigen, um Karrierefortschritte einzufordern. Berisha argumentiert, dass ein reines Frauenuumfeld Barrieren für die Bewältigung dieser spezifischen Schwachstellen beseitigt und gleichzeitig die Sichtbarkeit ihrer beruflichen Fähigkeiten fördert.
Es ist eine deutliche Ironie, dass männliche Exklusion weithin als archaische Fortschrittsbarriere verurteilt wird, während weibliche Exklusion als essentielle Überlebensstrategie neu definiert wird. Doch aus rationaler Sicht ist diese Strategie absolut sinnvoll. In einer Schweizer Gesellschaft, die immer noch mit konservativen häuslichen Erwartungen ringt, ist die Nutzung eines exklusiven Netzwerks schlichtweg ein gutes Geschäft. Diese Clubs bieten einen konzentrierten Pool an sozialem Kapital und erkennen eine grundlegende Wahrheit des Marktes an: Exklusivität schafft Wert.
Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com




