
Bürokratische Lawinen und alpiner Pragmatismus: Die Wiedereröffnung von Camping Riverside
Eine plötzliche, staatlich verordnete Schließung bedrohte die Tourismussaison im Wallis und entblößte die Schwerfälligkeit der regionalen Behörden.

Die Rezeption des Camping Riverside in Reckingen läuft derzeit auf Hochtouren. Wohnmobile und Autos mit Wohnwagen treffen in einem stetigen Strom ein und halten den Besitzer Pim Beijen voll auf Trab. Mit einem Gästezuwachs von einem Fünftel gegenüber dem Vorjahr floriert das Geschäft. Doch erst vor wenigen Monaten wurde dieses Gelände Opfer eines plötzlichen bürokratischen Dekrets, das die Sommersaison in der Region Goms zu gefährden drohte.
Im März 2026 ordnete die kantonale Baukommission des Wallis die sofortige Schließung von dreizehn Campingplätzen an. Die Begründung beruhte auf einer plötzlichen Neubewertung der Naturgefahren. Nach den schweren Überschwemmungen im Juni 2024 und dem Felssturz von Blatten im Jahr 2025 kamen die Behörden zu dem Schluss, dass Personen in Zelten unzureichend vor Lawinen und Hochwasser geschützt seien im Vergleich zu Personen in festen Häusern. Es war eine Offenbarung von verblüffender Offensichtlichkeit, umgesetzt in ein drastisches Mandat, das darauf abzielte, jedes Risiko vollständig zu eliminieren.
Für die lokalen Betreiber war das Dekret verwirrend. Die Gemeinde Goms, die drei der betroffenen Anlagen beherbergte, weigerte sich, den wirtschaftlichen Schaden hinzunehmen. Gemeindepräsident Gerhard Kiechler legte Rekurs ein und beauftragte Ingenieure mit der Bewertung von Minderungsmaßnahmen. Dieser Widerstand enthüllte eine peinliche Realität hinsichtlich des Staatsapparats. Der Kanton war sich der Risiken tatsächlich bereits seit 2020 bewusst, als seine Abteilung für Naturgefahren einen Warnbrief an die Gemeinde schickte.
Noch absurder ist, dass die lokale Regierung in Reckingen bereits als Reaktion auf diese frühe Warnung ein Hochwasserschutzprojekt entwickelt hatte. Sie warteten lediglich auf die Genehmigung durch den Kanton. Die kantonalen Behörden schlossen Unternehmen zwangsweise wegen fehlender Sicherheitsmaßnahmen, während sie gleichzeitig die für den Bau erforderlichen Genehmigungen blockierten. Es ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie ein schwerfälliger Verwaltungsapparat unbeabsichtigt lokale Unternehmen strangulieren und genau jene Krisen schaffen kann, die er später zu lösen vorgibt.
Pragmatischer Sinn setzte sich schließlich über die administrative Lähmung hinweg. Der Kanton genehmigte schließlich das verzögerte Hochwasserschutzprojekt, wodurch Camping Riverside pünktlich zur Touristensaison wiedereröffnet werden konnte. Die benötigte Infrastruktur wurde ohne längere Schließung umgesetzt, was die anfängliche Panik völlig unnötig machte. Lokale Beamte und Geschäftsinhaber konnten die Saison trotz der ihnen in den Weg gelegten regulatorischen Hürden retten.
Heute sind Gäste aus Orten wie Ried-Brig zurück, unbehelligt von den theoretischen Gefahren alpiner Felsstürze oder Überschwemmungen. Die vorübergehende Schließung führte nicht zu einem dauerhaften finanziellen Ruin für die Betreiber, hinterließ jedoch eine anhaltende Frustration bezüglich der kantonalen Baukommission. Hätten die Behörden die ursprünglichen Sicherheitspläne mit der gleichen Dringlichkeit bearbeitet, mit der sie die lokale Wirtschaft stilllegten, hätte die Episode vermieden werden können. Stattdessen beweist der Schweizer Tourismussektor einmal mehr, dass er nicht dank der Voraussicht des Staates, sondern trotz seiner Schwerfälligkeit erfolgreich ist.
Geschrieben von Thorben Thiede thorben.thiede@alpineweekly.com
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