Berlins Antwort auf Steuerbetrug: mehr Befugnisse, mehr Akten, weniger Ausreden

Ein neuer 26-Punkte-Plan würde Steuerhinterziehung zu einem Verbrechen machen, Krypto-Transaktionen tiefer ins Ermittlungsnetz ziehen und Unternehmen zu einer strengeren digitalen Berichterstattung zwingen.

Berlin’s answer to tax fraud: more powers, more files, fewer excuses

Die deutsche Regierung hat einen beliebten Berliner Reflex wiederentdeckt: Wenn die Zahlen schlecht aussehen, werden die Befugnisse erweitert. Finanzminister Lars Klingbeil und Justizministerin Stefanie Hubig haben einen 26-Punkte-Plan gegen Steuerbetrug und Finanzkriminalität vorgestellt, und dieser ist nicht bescheiden. Das Paket reicht vom Strafrecht bis zur Unternehmensberichterstattung, mit dem bekannten Versprechen, dass der Staat, wenn er mehr sehen kann, irgendwie auch mehr kontrollieren wird.

Im Zentrum steht ein härterer Kurs bei der Steuerhinterziehung. Die Regierung will diese als Verbrechen einstufen, was den Standardstrafrahmen auf ein bis fünfzehn Jahre anheben würde. Die Selbstanzeige würde zudem ihren automatischen Immunitätsstatus verlieren. Ob sie eine Strafe noch mildern kann, bleibt offen, was den Geist des Plans ziemlich genau trifft: strenger, umfassender und nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, Bürger und Unternehmen unter Druck zu halten.

Krypto-Transaktionen sind ein weiteres Ziel. Die Regierung will die Blockchain-Analyse als Ermittlungsinstrument nutzen und versteckte Dienste für Krypto-Assets genauer unter die Lupe nehmen. Das erklärte Ziel ist es, dass keine Anonymisierung von Transaktionen unentdeckt bleiben soll. In Berlin scheint der Datenschutz ein Problem zu sein, sobald er dem Finanzamt im Weg steht.

Bargeldintensive Sektoren werden ebenfalls nicht verschont. Elektronische Registrierkassen sollen Pflicht werden, damit Bargeldumsätze vollständiger erfasst und Einnahmen nicht einfach später gelöscht, verschoben oder außerhalb des Systems gehalten werden können. Für Unternehmen bedeutet das weniger Raum für Improvisation. Für den Staat bedeutet es mehr Kontrolle über die täglichen Transaktionen, was, wenig überraschend, der Punkt ist.

Der Ermittlungsstaat erhält auch ein Software-Update. Der Plan umfasst den Ankauf von Datensätzen, eine engere Zusammenarbeit mit Whistleblowern, die Einrichtung eines gemeinsamen Zentrums gegen Steuer- und Finanzkriminalität sowie die Schaffung eines Datenanalysezentrums, das KI-gestützte Auswertungen nutzt. Unternehmen würden zudem mit einer nahezu Echtzeit-Mehrwertsteuerberichterstattung, längeren Aufbewahrungsfristen für Buchungsunterlagen und, für bestimmte ausländische Firmen, Spiegelservern in Deutschland konfrontiert.

Das offizielle Ziel ist es, Mehrwertsteuerbetrug, versteckte Transaktionen und verlorene Beweismittel früher zu stoppen. Das Ausmaß des Problems ist nicht gering: Berichte, die im Zusammenhang mit dem Plan zitiert werden, beziffern den jährlichen Schaden durch klassische Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit auf rund 92 Milliarden Euro. Das ist eine ernste Zahl, und keine ernsthafte Regierung könnte sie ignorieren. Aber Berlins Instinkt bleibt vorhersehbar. Anstatt zuerst zu fragen, warum die Compliance so spektakulär scheitert, greift sie nach mehr Pflichten, mehr Daten und mehr Möglichkeiten, sich einzumischen. Der Staat verpasst selten eine Gelegenheit, seine Reichweite zu erweitern; er nennt es einfach Durchsetzung.

Geschrieben von Sandy van Dongen sandy.vandongen@alpineweekly.com