Das Phantom-Resort: Wie eine Theaterrequisite schweizerische Ängste am Morgarten offenbarte

Ein fiktives Luxusprojekt an einem historischen Denkmal hat echte Empörung ausgelöst und das widersprüchliche Verhältnis einer wohlhabenden Nation zu ausländischem Kapital perfekt eingefangen.

The Phantom Resort: How a Theatre Prop Exposed Swiss Anxieties at Morgarten

Nichts jagt einem Schweizer Bürger so viel Angst ein wie ein Bauprofil aus Holz, das unerwartet in einer unberührten Landschaft auftaucht. Als diese Pfähle kürzlich beim Morgarten-Denkmal oberhalb des Ägerisees sprossen, war die lokale Reaktion erwartungsgemäss panisch, Gerüchte schwirrten durch den wohlhabenden Kanton Zug. Wurde der historische Boden für ein Asylzentrum zubetoniert? Die Wahrheit war rein theatralisch; die Pfähle sind lediglich die Kulisse für 'Spatenstich', eine Freilichtproduktion, die ihre Prämisse unbeabsichtigt bewies, noch bevor der Vorhang sich hob.

Die Handlung dreht sich um protzige Investoren, die ein gigantisches Luxusresort am historischen Ort planen. Es ist eine Erzählung, die tief ins Herz der modernen Schweiz trifft, einer Nation, die ihre Traditionen erbittert hütet, während sie stillschweigend die Schecks globaler Milliardäre kassiert. Co-Regisseurin Annette Windlin bemerkte die Absurdität der öffentlichen Reaktion und sagte, dass die Gemeinde Anrufe von verwirrten Einheimischen erhalten habe und dass Touristen sogar drohten, an den Bundesrat zu schreiben. Eine solche bürokratische Eskalation wegen einer Requisite fasst die lokale Denkweise zusammen: wohlhabend, etwas naiv und immer bereit, den Staat einzuschalten, wenn die Alpensicht bedroht ist.

Die Panik ist angesichts der jüngsten Geschichte verständlich. Die Zentralschweiz ist zu einem Spielplatz für ausländisches Kapital geworden. Der ägyptische Entwickler Samih Sawiris verwandelte Andermatt mit einem Fünf-Sterne-Komplex, obwohl seine Pläne für einen Jachthafen auf der Urner Halbinsel Isleten scheiterten. Unterdessen wird das imposante Bürgenstock Resort vom katarischen Staatsfonds betrieben. Die Schweizer Öffentlichkeit geniesst den wirtschaftlichen Nutzen dieser Projekte, schreckt aber vor ihrem sichtbaren Fussabdruck zurück. «Spatenstich» dramatisiert diese bequeme Heuchelei und nutzt 41 Laienschauspieler im Alter von 15 bis 80 Jahren, um lokale Ängste auf die Schippe zu nehmen.

Während der kulturelle Kommentar scharf ist, ist die finanzielle Strategie ebenso pragmatisch. Freilichttheater ist hier derzeit ein hartes Geschäft. Langjährige Produktionen brechen unter finanziellen Druck, schlechtem Wetter und starkem Wettbewerb zusammen. Das Theater Moosegg im Emmental schliesst nach dreissig Jahren, und die Gurten-Produktion in Bern wird diese Saison ihren letzten Vorhang sehen. Morgarten überlebt, indem es seine Auftritte rationiert.

Das letzte Spektakel hier fand vor elf Jahren statt, während der Feierlichkeiten zum 700. Jahrestag der Schlacht am Morgarten 2015, zog über 13.300 Besucher an und erreichte eine Auslastung von 94 Prozent. Indem sie einen zweijährlichen Zeitplan vermieden, sicherten sich die Organisatoren problemlos das benötigte Budget von 1,1 Millionen Franken für diese 20.000 Quadratmeter grosse Produktion. Die Autoren Paul Steinmann und Annette Windlin wussten genau, was sie taten. Mit der Hälfte der Tickets, die bereits vor der Premiere am Freitag verkauft waren, haben die 120 Teilnehmer bereits einen Erfolg gesichert und ihrem wohlhabenden Publikum bewiesen, dass ausländisches Geld zwar im Banktresor willkommen ist, aber von den Schlachtfeldern fernbleiben sollte.

Geschrieben von Thomas Nussbaumer thomas.nussbaumer@alpineweekly.com