Bis zu 55 Tote bei gewaltiger Explosion in Rebellen-Munitionsdepot im Nordosten Myanmars

Explosion zerstört Häuser nahe des Dorfes Namkham an der chinesischen Grenze; TNLA erklärt, dass gewerbliche Sprengstoffe für Steinbrucharbeiten gelagert wurden.

Eine verheerende Explosion in einem Munitionsdepot einer ethnischen Rebellengruppe im Nordosten Myanmars hat nach Angaben lokaler Rettungskräfte und Anwohner bis zu 55 Menschen getötet. Die genaue Opferzahl ist weiterhin unklar.

Die Let Phat Nyunt Social Assistance Association, eine lokale Hilfsorganisation, teilte Montagmorgen mit, dass bisher 46 Leichen geborgen wurden. Lokale Rettungskräfte und Dorfbewohner berichteten jedoch, dass die Opferzahl bis zu 55 betragen könnte. Rund 70 weitere Menschen wurden verletzt.

„Die Verwundeten benötigen dringend Blut“, sagte ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. „Die Explosion hat einen großen Teil des Dorfes zerstört. Die Menschen brauchen Unterkünfte und Nahrung, und Bewohner aus Nachbardörfern helfen den Betroffenen“, fügte er hinzu.

Die Explosion ereignete sich am Sonntagnachmittag in einem Dorf nahe Namkham, unweit der chinesischen Grenze. Das Depot gehörte der Ta'ang National Liberation Army (TNLA), einer mächtigen Rebellengruppe, die im nördlichen Shan-Staat operiert und dort eigene Verwaltungsstrukturen aufgebaut hat. Die Explosion verursachte schwere Schäden an Wohnhäusern und anderen Gebäuden. Rettungskräfte suchten weiterhin nach möglichen Überlebenden und Vermissten.

Ein anderer Dorfbewohner beschrieb die Wucht der Explosion: „Wir hörten den lautesten Lärm unseres Lebens, und dann sahen wir den Rauch.“

Die TNLA veröffentlichte eine Erklärung, wonach das Depot gewerbliche Sprengstoffe enthielt, die für Steinbrucharbeiten bestimmt waren. Diese Behauptung konnte nicht unabhängig überprüft werden. Die Gruppe sprach den Familien der Toten und Verletzten ihr Beileid aus und kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Was die Explosion ausgelöst hat, ist weiterhin unklar. Die TNLA teilte mit, dass ihre Untersuchung der Ursache noch nicht abgeschlossen sei.

Seit dem Militärputsch von 2021 tobt in der ehemaligen Burma, international als Myanmar bekannt, ein blutiger Bürgerkrieg. Die Junta sieht sich einer breiten Allianz aus demokratischen Kräften und bewaffneten ethnischen Gruppen gegenüber. Die TNLA ist eine der mächtigsten Rebellenarmeen des Landes und kontrolliert große Gebiete entlang der chinesischen Grenze.

Vorerst werden die Toten gezählt, die Verwundeten warten auf Blut, und die TNLA verspricht Antworten. Doch in einem Land, das von drei Jahren Bürgerkrieg zerrissen ist, sind Antworten oft das erste Opfer – und die Wahrheit bleibt selten weit zurück. Die Dorfbewohner nahe Namkham warten nicht auf Erklärungen. Sie graben durch Trümmer, suchen nach Leichen und fragen sich, wessen Munition ihre Häuser zerstört hat.