Monacos sicherste Straße gibt es nicht mehr: Paketbombe verletzt ukrainischen Tycoon und Teenager

Die Explosion in einem Wohngebäude an der französischen Grenze verletzte ein Paar in den 50ern oder 60ern und einen 13-Jährigen. Für Fürst Albert II. war es ein „abscheuliches Verbrechen“.

Monaco ist bekannt für seine Sicherheit. Seine Casinos, seine Luxusyachten, seine königliche Familie. Nicht für Paketbomben. Doch in der Nacht zum Montag änderte sich das. Ein Wohngebäude in einer Straße an der französischen Grenze wurde zum Schauplatz eines beispiellosen Anschlags.

Ein Paar in den 50ern oder 60ern erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ein 13-Jähriger wurde ebenfalls verwundet. Und unter den Opfern war Vadym Yermolaiev, ein ukrainischer Multimillionär, der seit 2023 von Kiew wegen seiner Alkoholgeschäfte in der russisch besetzten Krim sanktioniert wird.

Die Explosion ereignete sich gegen 21:00 Uhr Ortszeit. Staatsanwalt Stephane Thibault sagte, ein Verdächtiger habe eine Tasche oder ein Paket in der Lobby des Gebäudes hinterlassen, bevor er flüchtete. Videoüberwachung zeigte, wie der Verdächtige in Richtung Beausoleil in Frankreich entkam. Der Sprengsatz enthielt Bolzen und Schrot, so Monacos Staatsminister Christophe Mirmand.

„Dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass eine solche Tat im Fürstentum stattgefunden hat, soweit mir bekannt ist“, sagte Mirmand Reportern.

Fürst Albert II. bezeichnete den Vorfall als „abscheuliches Verbrechen“ und „einen Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“. Ein Mitarbeiter des französischen Innenministers Laurent Nuñez sagte, die Polizei arbeite daran, den Täter zu finden.

Rund 50 Feuerwehrleute und 80 Sicherheitskräfte wurden eingesetzt. Ein Helikopter kreiste über dem Gebiet. Rettungsdienste behandelten vier weitere Personen wegen Schock und Schnittwunden durch zerbrochene Fenster.

Es gab vorerst keine Anzeichen dafür, warum das Gebäude Ziel des Anschlags gewesen sein könnte, sagte Thibault. Doch die Geheimdienste arbeiten nun daran, den Hintergrund der Opfer zu verstehen und festzustellen, ob andere spezifischen Bedrohungen ausgesetzt sein könnten.

Jermolajew ist seit Jahren in Monaco ansässig. Doch seine Vergangenheit hat ihn eingeholt. Ukrainische Sicherheitsdienste sollen ihn im Dezember 2023 wegen seiner Geschäftsaktivitäten auf der Krim, die Russland 2014 annektiert hat, sanktioniert haben. Ob dies einen Zusammenhang mit dem Angriff vom Montag hat, bleibt unbekannt.

Vorerst ist Monaco schockiert. Eine ruhige Wohnstraße ist ein Tatort. Ein ukrainischer Tycoon liegt im Krankenhaus. Ein Verdächtiger ist auf der Flucht. Und das Fürstentum, das sich lange seiner Sicherheit rühmte, sieht sich mit einem Gewaltakt konfrontiert, wie es ihn noch nie zuvor erlebt hat. Die Untersuchung hat gerade erst begonnen.

Geschrieben von Martina Kirchner martina.kirchner@alpineweekly.com